Der unbekannte Fotograf (Teil 3)

Hier und hier fing die Geschichte an

 

Man sagt ja, dass Uniformen einen enormen Reiz auf Frauen ausüben. Nun ja, so ohne Weiteres würde ich das nicht unterschreiben wollen. Tatsache ist aber, dass auch ich mich dem nicht entziehen kann. Ich kann mich aber auf eine frühkindliche Prägung herausreden, mein Vater war Marineoffizier und so bin ich mit einem Mann in Uniform aufgewachsen.

Das wäre eine Begründung, warum ich mich ausgerechnet an ein unscharfes und überbelichtetes Negativ herangewagt habe. Da ich aber auch herausfinden will, wann diese Bilder in welchem Zusammenhang entstanden sind und ich keine Anhaltspunkte außer eben den vorhandenen Negativen habe, muss ich jedem Hinweis folgen. Hier sind es eben die Uniformen.

II_Soldaten_001webWie immer macht ein Klick auf dad Bild eben dieses größer.

Drei Soldaten werfen sich in Positur für den unbekannten Fotografen, ein weiterer betrachtet die ganze Aufnahme eher aus dem Hintergrund. 4 Menschen, drei unterschiedliche Bekleidungen, eine Berufsgattung, da muss doch etwas herauszubekommen sein? Im Vorfeld habe ich ja schon eingekreist, dass die Bilder ab 1903 entstanden sein müssen. Es handelt sich also um deutsche, genauer gesagt um kaiserliche Soldaten. Diesen Hinweis gibt einem die Pickelhaube. Und nun geht es los. Welcher Waffengattung gehören die Abgebildeten an? Die ersten Hinweise habe ich auf der Seite eines Vereins gefunden, der sich mit den Uniformen des deutschen Kaiserreichs von 1871 bis 1918 beschäftigt. Die beiden Herren mit den Pickelhauben in der Mitte könnten Dragoner sein, sicher bin ich mir da aber noch nicht. Erst dachte ich an Kürassiere, aber da passen die Stiefel nicht, denn Kürassiere hatten an den Stiefeln noch eine „Klappe“, die bis über das Knie ging. Ob es sich bei den Abgebildeten jetzt um Offiziere oder Mannschafter handelt, kann ich so auch noch nicht sagen.

Wer da jetzt mithelfen kann, ist eingeladen, in den Kommentaren zu erzählen was er weiß!
Der Mann mit dem schick-schiefen Hut muss auch noch eingeordnet werden, ebenso der Herr ganz in weiß, der ganz rechts das Geschehen beobachtet.

Herausbekommen konnte ich zumindest schon mal, dass bei Manövern die Pickelhaube mit einem Helmüberzug versehen wurde. Jetzt frage ich mich natürlich, bei welcher Gelegenheit dieses Foto entstanden ist?  Die Personen tragen Handschuhe, die wahrscheinlich rotbraun waren. Da Handschuhe in dieser Zeit zum militärischen Outfit gehörten, ist das nicht weiter verwunderlich. Die Farbe Rotbraun wird jedoch in den Bekleidungsvorschriften von 1899 explizit erwähnt, wenn es um „Zubehör“ des Dienstanzugs bei Übungen im Gelände geht. Auch bei Aufenthalten außerhalb des Standortes sind rotbraune Handschuhe zu tragen, wenn Übungen, Übungsritte und ähnliche Aktivitäten auf dem Plan standen. Warum also haben die Pickelhaubenträger rotbraune Handschuhe an, tragen aber keinen Helmüberzug? Waren Sie vielleicht Zuschauer bei einer Übung? Dafür spricht auch, dass sie sich so lässig in Positur geworfen haben. Und wie war es mit zivilen Zuschauern bei Übungen und Manövern? Waren sie zugelassen? Oder war unser unbekannter Fotograf vielleicht selbst Angehöriger des Militärs?

Fragen über Fragen.

 

Fortsetzung folgt…

 

 

7 Kommentare zu “Der unbekannte Fotograf (Teil 3)

  1. tilla Autor des Beitrags

    Die ganze Geschichte wird immer spannender! Über einen Twitterkontakt (der @turbozopf sollte sich an dieser Stelle mal massiv geknutscht und umärmelt fühlen) haben wir die Geschichte weitergesponnen.

    Die beiden Jungs mit den Pickelhauben sind Dragoner, der Mann mit dem schick-schiefen Hut ist Mitglied der kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch Südwestafrika.
    Wir gehen da nochmal mit der Lupe drüber, vielleicht bekommen wir Dienstgrade heraus. Die Farbe des Huts lässt auf einen Soldaten im Ordonnanzdienst schließen, mutmaßlich ein Unteroffizier oder Feldwebel.

    Der unbeteiligte Herr ganz rechts ist eine Zivilperson und trägt Tropenkleidung!

    Die Soldaten sind weder im Manöver noch auf einer Veranstaltung, sonst würden sie eine Ausgehuniform oder zumindest Orden und Ehrenzeichen tragen.

    Jetzt wird es richtig spannend, denn schaut man sich die Bäume im Hintergrund an und die kleidung des Herrn rechts, so kommt man zu dem Schluss, dass das Foto in Afrika aufgenommen wurde. Aktuell tendieren wir zu Namibia zwischen 1900 und 1918 (wobei ich da schon eher an 1913 als Obergrenze glaube), wahrscheinlich handelt es sich um ein Erinnerungsfoto auf der Farm eines Großgrundbesitzers.

    Jetzt verstehe ich auch, was die Schaufel an den Füßen der Herrn mit dem schicken Hut macht. 😉

    Unser unbekannter Fotograf war also in Afrika. Wow!

  2. Marco

    Ich spekuliere jetzt ein wenig: Ich finde die beiden in der Mitte passen ja nicht so recht nach Südwest-Afrika, auch weil die dortigen Schutztruppen – soweit ich das im Internet sehe – eher Hüte wie der Links trugen und keine Pickelhauben. Möglicherweise wurden sie zur Bekämpfung des Herero-Aufstands 1904-1905 nach Deutsch Südwest verlegt und haben daher noch eher ihre europäischen Uniformen?

  3. Herbert Huegel

    1. Das Bild ist leider seitenverkehrt (horizontal gespiegelt) dargestellt! Erkennt man daran, dass die Unirormröcke „verkehrt“ geknöpft sind und die Fernglastaschen sowie die Seitenwaffen hier auf der falschen Körperseite getragen werden.

    2. Die Offiziere mit den Pickelhauben dürften keine Dragoner sein, da die Vorderschirme ihrer Helme (zumindest eindeutig beim rechten Träger) nicht eckig, sondern abgerundet sind. Ich tippe daher eher auf Offiziere der nichtpreußischen Garde-/Leib-Infanterie, wegen der Gardelitzen an Kragen und Ärmelaufschlägen. Nichtpreußisch, weil die Helmbeschläge keinen preußischen Gardeadler mit den typischen, weit ausgebreiteten Schwingen erkennen lassen.

    3. Der linke Offizier/Fähnrich im Überrock (mit den 2 Knopfreihen) zeigt eine nicht reglementskonforme Uniform, da er zu diesem Rock den Schutztruppenhut trägt – eine Kombination, die so nicht passt, da es bei der Schutztruppe keinen Überrock gab. Es liegt nahe, dass es sich um einen Offizier oder wenigstens ein Offizier-Anwärter (Fähnrich) handeln muss, da nur diese Ränge einen Überrock tragen durften. Der Dienstgrad ist über die Achselstücke selbst bei starker Vergrößerung der Abbildung nicht identifizierbar.

    4. Die beiden Offiziere mit den „Pickelhauben“ tragen den Dienstanzug – allerdings ohne die zu diesem Anzug vorgeschriebene Feldschnalle (d.h. Ordensspange ohne angehängte Orden). Interessant ist zudem das Bandelier. Die Infanterie trug generell kein Bandelier und für berittene Truppen ist es in dieser eigenartigen Form völlig ungewöhnlich.

    Vielleicht helfen diese Anhaltspunkte ja für weitere Recherchen und tragen zur Klärung bei.

  4. Andy

    Hallo,

    bin per Zufall auf diese Seite und das Bild gestoßen! Es handelt sich bei den beiden Soldaten mit Pickelhauben definitiv um Dragoner! Hier muss ich Herbert leider wiedersprechen.
    Es handelt sich um 2 Offiziere des 1. Großherzoglich hessischen Dragoner Regimentes Nr. 23. Beide tragen das Dienst Bandelier welches in dieser Art nur bei den berittenen Truppen des Großherzoglich hessischen Militär existierte. Und da beide Gardelitzen an der Uniform tragen und auf der Pickelhaube eine Spitze und keine Kugel, bleibt nur dieses Regiment.

    Viele Grüße
    Andy

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