Großformat ist sowieso König

Hubraum lässt sich nur durch mehr Hubraum ersetzen. Das sagt der Lieblingsmensch immer. Und drüben bei Spürsinn wird auch ganz dolle verglichen. Kosten, Auflösungen, Formate, Linienpaare, analog versus digital….

Großformat mal emotional

Wenn ich mich der (persönlichen) Qual hingebe, die Planfilmkassetten fusselfrei und ordentlich im Dunkelsack zu beladen, dann habe ich von vornherein einen riesigen Anspruch an das, was irgendwann als Bild bei der ganzen Aktion herauskommen soll.
Im Grunde meines Herzens bin ich nämlich ein fauler Mensch und will für meine Mühen geile Ergebnisse.
Ich steh auf das Format 4×5 inch, da ist so viel Platz auf einem Negativ (immerhin sind das 10,2 x 12,7 cm), da kann man so viel Ausdruck, Details und Bild reinbringen… da geht mir einer ab. Muss ich zugeben.

Aber bis ich dahin komme, muss ich Vorarbeit leisten. Und die lässt mich dann doch schnaufen. Meistens. Wenn es darum geht, die Kassetten zu laden, lässt sich der Lieblingsmensch dann doch das ein oder andere mal erweichen und nimmt mir diese ungeliebte Tätigkeit ab. Er kann es auch irgendwie besser – auf den Filmen, die er geladen hat, finden sich weniger Fussel als auf meinen. Aber das nur am Rande.

Wenn ich im Großformat fotografiere, dann am liebsten in 4×5 inch. Das Negativ ist ordentlich groß (eben 10,2 x 12,7 cm) aber auch immer noch nicht zu groß, ich kann es noch gut händeln. Je größer ein Negativ, desto mehr Platz für Bild. Aber auch Platz für Fusseln, Fingerpatschen, Kratzer und ähnlichen Mist, den man eigentlich nicht wirklich braucht und auf so einem Negativ haben will. Aber manchmal komme ich eben doch nicht drumherum und muss dieses Riesennegativ auf den Scanner legen.(Und mir eine langwierige Beschäftigung abseits der Rechnerkiste suchen – die ist nämlich mit so einem Scan ausreichend beschäftigt und auch ziemlich ausgelastet.) Und während der Scandauer haben alle Fusseln, Flusen und Staubkörnchen freie Bahn und nutzen das auch gnadenlos aus.

Im Rotlichtbezirk

In der Dunkelkammer bin ich schneller und vor allem entspannter. Mit viel Glück und dem richtigen Werkzeug kann ich die meisten Fusseln eliminieren, die, die sich dann doch noch hineinmogeln, kann ich meist ignorieren. Ich arbeite an und mit meinem Bild, statt dem monotonen Gebrumme des Scanners zuzuhören und habe immer wieder den magischen Moment „Moah! Was ein großartiger Ausdruck!“ wenn ich auf der Grundplatte scharf stelle und „hach, da kommt ein Bild, wie schön“ in der Laborschale. Entspannung pur.

Mit Großformat fotografieren

Und wenn mich dann der Großformatvirus reitet, dann stelle ich mich auch mal bei gefühlten 5 Grad barfuß in den nassen Sand und warte 45 Minuten auf den Sonnenuntergang. Für einmal auslösen. Gerne.

Sangatte

In diesem Fall hatte ich die Graflex sogar auf ein Stativ gesetzt. Und es war ganz schön lässig, so zu fotografieren. Bildausschnitt suchen, Belichtungszeit und Verschlusszeit abstimmen, Planfilmkassette rein und dann einfach nur den Himmel beobachten und abwarten. Meditativ.

Ich sollte so etwas öfter machen. Ja.

 

2 Kommentare zu “Großformat ist sowieso König

  1. Dieter Fröhling

    Gute Idee das.

    So wie ich mich kenne, ist das Warten auf den einen Moment klasse.

    Und dann nur die eine Option „gleich wird es noch besser“ mit der Frage wann wieder schußbereit….

    Und wenn dann endlich die Sonne (bei uns damals) im Meer versunken ist. kommt die Stimme von der Parkbank „laß uns gehen mir ist kalt“ 🙂

    Aber 45 Minuten zugucken 🙂

    1. tilla Autor des Beitrags

      Hihihi…
      Jaha, der Liebste hat auch gesagt „Jetzt!“ und ich so „Neee, noch nicht!“…. 🙂

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