Meilensteine (le fin)

Eine alte, sehr gute Freundin sagte mir mal: „Du kannst Menschen nicht zwingen, sich zu erklären. Wenn sie nichts sagen wollen, hast Du die Wahl. Du kannst Dich weiter nach dem „Warum“ fragen oder die Antworten für Dich selbst finden. Letzteres ist gesünder.“
Recht hatte sie.

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Der Rest der Geschichte ist recht schnell erzählt. Diverse Versuche, Edo wegen der Termine im Studio zu erreichen, scheiterten an der Assistentin. Im Kalender stand noch ein Konzert, bei dem ich Edo dann direkt darauf ansprechen wollte, wieso unser Konzept an allen möglich Stellen torpediert wird. Mit der Assistentin abgesprochen war, dass ich für dieses dritte Konzert zeitgleich mit der Crew anreise und den kompletten Tag fotografisch begleite. Außerdem wollten wir die Lücken im Kalender suchen, die einen oder mehrere sinnvolle Termine im Studio  möglich machen. Mir fehlten noch genau diese Bilder, dazu ein bisschen Backstage, An- und Abreise. Damit wollte ich dann mein Material zusammen haben.

Und erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Den Tag hatte ich mir mühsam frei geschaufelt, lukrative Termine abgesagt, andere verschoben. Ich wartete auf den Anruf, wann sich wo getroffen wird… ihr könnt Euch denken, dass dieser Anruf nicht kam, nicht wahr? Ich hatte mir verboten, „auf gut Glück“ los zu fahren, wollte erst starten, wenn ich genau wusste, wann und wo ich wen antreffe. Im Nachhinein eine gute Entscheidung, ich habe jede Menge Kilometer und etliche Liter Sprit gespart. Die Uhr tickte, die Zeit wurde knapper und ich wählte die Nummer von Edos Mobiltelefon. Natürlich hatte ich Frollein Assistentin dran, die mir ganz hektisch erklärte, dass es Verzögerungen gäbe und sie sich umgehend bei mir meldet, wenn sie mehr weiß. Aha.

Die Uhr tickte weiter. Ich musste etwa 1,5 Stunden Fahrt mit einplanen. Ich rief wieder an. Ja, die Band hätte sich verspätet und sie kämen dann demnächst und müssten dann noch proben und sie riefe mich an, sobald sie… Stopp! Plan nicht verstanden? Ich wollte genau in diesen Augenblicken mit der Kamera dabei sein. Ah, ja, okay, ja, sie meldet sich dann sofort, wenn sie absehen kann, wann die Crew und die Band eintreffen…

Die Uhr tickte weiter und meine Laune war schon ziemlich im Keller. Ich versuchte es ein drittes Mal über das Handy, der Anruf wurde jedoch weggedrückt. Jetzt war meine Geduld am Ende, ich war stinksauer und rief im Studio an, in der Hoffnung, dort jemanden zu erwischen, der mir sagen kann, welches Spiel hier gespielt wird. Ich hatte Glück, Vilko nahm ab. Ich schilderte ihm die aktuelle Sitaution und frage ihn auch rundheraus, ob sie keinen Bock mehr auf das Buch hätten und die ganze Geschichte abgeblasen hätten, ohne mich zu informieren. Vilko zeige sich entsetzt und erschüttert, nein, kein Gedanke, das Projekt in die Tonne zu treten und es müsse sich um ein Missverständnis handeln. Er würde sich kümmern.

Stunden später kam dann der Anruf der Aissistentin, es täte ihr Leid, dass sie sich nicht früher hätte melden können, es wäre das totale Chaos gewesen aber ich stünde jetzt auf der Gästeliste und das Konzert würde pünktlich beginnen. Tja, meine Liebe – nun mochte ich nicht mehr. Und genau das sagte ich ihr auch unmissverständlich. Ich fahre nicht durch die Landschaft um auf ein Konzert zu gehen, das ich schon kenne und Bilder zu machen, die ich schon habe, nur weil ich „jetzt auf einer Gästeliste“ stehe. Der Plan war ein anderer, und sie hat ihn torpediert. Ich hielt es für mehr als unsinnig, die junge Dame nach dem Warum und Weshalb zu fragen, in der Zwischenzeit hatte ich nämlich schon herausgefunden, dass ein Freund von ihr gerne den Fuß in der Studiotür haben wollte, um „Haus- und Hoffotograf“ zu werden. Ich hatte seine BIlder gesehen, habe ihn in Mannheim persönlich kurz kennen gelernt und ahnte also zu diesem Zeitpunkt schon, wes Geistes Kind da unterwegs war.

Ich meine, so ganz unter uns, wie arm und wie scheiße ist das denn? Der junge Mann machte ohne Ahnung aber mit sehr viel Einsatz Unmengen schlechter Bilder, die er mit einem Bearbeitungsprogramm auf „hey, guck mal wie cool“ pimpte und hatte Angst, dass ich ihm irgendeinen Brotkrumen wegschnappe? Hallo? Und statt gute Arbeit abzuliefern und sich offen mit der vermeintlichen Konkurrenz auseinanderzusetzen (dann hätte er nämlich auch gemerkt, dass diese gar nicht besteht) nutzte er die Macht der Freundin und zusammen haben die beiden mal eben eine geile Idee und ein gutes Projekt torpediert. Tja. Shit happens.

Den größten Shit in dieser Geschichte sehe ich aber bei den Verantwortlichen im Studio.
Nein, sie haben sich nicht bei mir gemeldet, nein, es wurde nicht nachgefragt, wie es ist, wie es steht, wie es wird, was passiert ist… und das ist in meinen Augen das größte und spektakulärste Armutszeugnis ever.

Ich hab hier ein paar Bilder. Die Kosten und den Aufwand dafür habe ich unter „Man lernt nie aus, das Leben zeigt Dir eben ab und an den Stinkefinger“ verbucht. Gemeldet habe ich mich auch nie wieder, für was denn auch? Um mir Geschnuller anzuhören? No way.

Ab und an kommt es mir noch ein bisschen sauer hoch. Meist dann, wenn ich in sozialen Netzwerken auf das so furchtbar extreme, menschenfreundliche „Wir haben uns alle lieb“-Geschnuller von Edo stolpere. Ich habe nichts gegen Menschenfreundlichkeit. Ich halte mich selbst für einen freundlichen Menschen. Aber wer die Grundzüge der Kommunikation, das Zuhören und Hinschauen, das Nachfragen und die Reflexion des Gehörten schon im Kleinen, im ganz normalen Umgang mit Menschen, nicht hinbekommt, der sollte sich nicht aufschwingen und im Großen die Welt verändern wollen.

Und um mich „Freundin“ nennen zu dürfen, hey, da muss inzwischen eine Menge mehr Basis sein, als einfach nur ein paar schöne Worte und eine feien Melodie.

Und damit ist die Geschichte zu Ende. Endgültig.

 

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

 

 

5 Kommentare zu “Meilensteine (le fin)

  1. boris

    In der Tat eine unbefriedigende Auflösung, weil es eben keine ist. Wenn auch die letzte Episode ansatzweise durch die Torpedierung des Zweigespanns Assi und Knipsheini erklärbar ist, so tappt man in Sachen Lala-Band-Dilemma weiterhin im Dunkeln…

    Nunja, ich war schon immer skeptisch was die Wir-haben-uns-alle-lieb-Fencheltee-Fraktion angeht… 😉

  2. Trotzendorff

    Jetzt werd ich seine Platten nie wieder so hören können wie noch vor wenigen Wochen. Aber damit kann ich leben. Beim Lala-Band habe ich allerdings auch noch ein paar Lücken. Gerüchte? Oder weißt Du das bis heute nicht? Vielleicht gibt es ja nach dem fin ein postface?

  3. ptokremin

    ‚Der junge Mann machte […] Unmengen schlechter Bilder.‘ Aus meiner Erfahrung heraus sehe ich da zunächst mal zwei Ansatzpunkte für mögliche Verbesserungen. 😉

    Unseren Mitmenschen ein freundliches Gesicht zu zeigen, macht so etwas wie Sozialverhalten überhaupt erst einmal möglich. Ein netter Bonus ist es dann, wenn die Freundlichkeit nicht nur gut dosiert, sondern auch noch so gemeint ist.

    ‚Life’s a piece of shit when you look at it
    Life’s a laugh and death’s a joke it’s true
    You’ll see it’s all a show keep ‚em laughing as you go
    Just remember that the last laugh is on you

    And always look on the bright side of life…‘

    🙂

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