Sie kam, ich sah und sie siegte.
Die Rede ist von der Polaroid 636 Close up, die Anfang Mai bei mir einzog. Ein kleiner Plastikbomber mit herrlich abgerundeten Ecken, gebaut Mitte/Ende der 90er Jahre. Das Besondere an ihr ist die Nahlinse, die man mittels eines kleinen Schiebers vor das Objektiv setzen kann, damit kann ich bis auf 60 cm an das Objekt meiner Begierde heran rutschen. Was mir zuerst nicht so ganz behagte war die Tatsache, dass das Schätzchen über einen eingebauten Blitz verfügt, den man auch nicht außer Gefecht setzen kann. Andererseits kann so ein Blitz nicht des Teufels sein, denn auf anderer Leute Bildern, die mit dieser Kamera gemacht wurden, sah ich keine Blitzspuren, die mich jetzt sonderlich gestört hätten.
Die Kleine benötigt 600er Film. Von Polaroid wird dieser ja seit 2008 nicht mehr hergestellt, das frischeste Ablaufdatum, das der Markt so her gibt liegt im April 2009, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Ich würde jetzt nicht behaupten wollen, dass der Film als solches tatsächlich schon Mangelware ist, die Preise der angebotenen Restbestände lassen dies jedoch durchaus vermuten
Ich lese bei den Suchanfragen hier im Blog immer wieder “welche Batterien für Polaroid 636″ – die Kamera benötigt keine extra Batterien! Der benötigte Strom ist in den Filmpacks untergebracht. Einfache Formel: Hast Du Filmpack in der Kamera, dann hast Du auch Strom in der Kamera.
Hier sammeln sich die leeren Filmpacks von Impossible Project, denn meist ist in ihnen noch ausreichend Strom um einen Neuankömmling damit auf Funktion testen zu können. Reinschieben und gucken ob der Auslöser tut und, falls vorhanden, der Blitz. Dafür reicht es immer. Außerdem widerstrebt es mir, teuren Strom der Restmüllentsorgung zu übergeben. Ich hoffe ja immer noch, dass ich irgendwann einmal stolze Besitzerin eines Polaroid-Radios werde – ein Radio, dass einen Schacht wie die Polaroid Kameras aufweist und mit leeren Filmkassetten betrieben wird. Also mit dem Strom aus den leeren Filmkassetten. 
Aber ich schweife ab.
Der Test mit einer leeren Filmkassette ergab, dass der handliche, graue Knipsknubbel tut was er soll. Ich habe also nach einem PX 600 First Flush gefischt und das Schätzchen damit gefüttert, Klappe zu, Auslöser gedrückt, damit das Deckblatt ausgeworfen wird….. und jetzt kommen wir zur Begründung des Titels! Die Kamera hat nicht nur das Deckblatt ausgeworfen sondern in einem Affentempo auch die “Bilder” hinterhergeschoben, sie war nicht mehr zu bremsen. So schnell ich auch die Klappe wieder geöffnet habe um dieses wirklich ärgerliche Phänomen zu stoppen – die ersten 5 Blatt waren dahin. Unwiederbringlich, unrettbar und drauf war auf den Bildern natürlich auch nichts. So ein Filmpack hat ja nur 8 Blatt. Ich sitze zwar recht dicht an der Quelle, aber bezahlen muss ich die Filme auch. Ich glaube, ich habe noch nie so schnell 18,50 Euro verblasen. Für die letzten drei Blatt habe ich mir ein Motiv gesucht – das hat mir aber auch nichts mehr genutzt, die Kamera hat eine Aufnahme verweigert und stattdessen auch diese letzten Blatt Film einfach im Höllentempo ausgespuckt. Ehrlich, ich habe noch nie eine Polaroidkamera so schnell arbeiten sehen, das war wie Dauerbeschuss.
Wie dieser, ich nenne ihn mal “Overload”, entstanden ist, weiß ich nicht. Ich kann nur raten, aber vielleicht sind unter meinen Lesern ja ein paar versierte Experten, die meine wilden Vermutungen, die Kamera hätte irgendwo und irgendwie zu viel Strom gebunkert, bestätigen können? Vielleicht hatte der Vorbesitzer ja noch eine Kassette drin und sie hat sich über Jahre klammheimlich an deren Batterien gelabt? Nachdem das Filmpack leer war, hat sie übrigens wieder ganz normal reagiert. Nur eben ohne Bild.
Kann doch nicht sein, dachte ich mir. Ich gehöre ja durchaus zu den Menschen, die in ihren Kameras kleine Persönlichkeiten sehen. Lacht nur. Vielleicht hat sie sich gefreut, wieder arbeiten zu dürfen? Vielleicht wollte sie mir nur zeigen, dass sie schnell und willig ist? Vielleicht war das ganze ja so eine Art Aufstoßen?
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich war bereit, ein weiteres Pack PX 600 FF zu opfern. Und siehe da – plötzlich hat sie ganz brav getan, was sie sollte. Das kleine Miststück


Ihr wisst schon: Klick macht big
Kamera: Polaroid 636 Close up mit Objektiv Polaroid 1:14/106mm Fixfokus, eingebauter Nahlinse, eingebautem Blitz, elektronischem Verschluss
Baujahr: wahrscheinlich 1996,
Herkunft: United Kingdom
Film: Impossible Project PX 600 First Flush
Anmerkung: es gibt auch noch die Polaroid 636 – die hat keine Nahlinse! Wenn ihr das Modell mit Nahlinse haben wollt, achtet auf den Zusatz “Close up”.