Blumentopf

Hier heute kein Blumentopf

Wisst ihr was? Mich nervt diese watteweiche Unverbindlichkeit, die alle Nase lang über mich schwappt und mir in ihrer Klebrigkeit so oft die Luft und auch die Lust nimmt.

Da bloggt man was und dann kommen so belanglose Fragespielkommentare. Wer meinen Text nicht verstanden hat, aber unbedingt seinen Senf da lassen will, der soll nach den Hintergründen fragen. Wenn ich Lust habe, mich weiter zu erklären, dann mache ich das. Wenn ich keine Lust habe, dann liegt das bestimmt an meinem Unwillen zur Niveauflexibilität. Oder an meinem Zeitmangel. Meine Zeit ist knapp und daher kostbar, ich möchte also nicht mit Lulu belästigt werden.

Wer sich von meinen Texten angegriffen fühlt, der soll klar sagen, dass es so ist, dann kann man diskutieren. Aber diese BlaBla-Kommentare à la „Du musst es Dir ja nicht anschauen“, die sind so zielführend wie eine Diskussion über die Vor- und Nachteile von Wattebäuschchen. Mimimi im großen Stil. Widerlich.

 

Apropos Wattebäuschchen.

Ein Mensch, den ich nicht nur wegen seiner Wortgewalt sondern auch wegen seiner ausgesprochen feinen, geistigen Transferleistungen mag, ist Sebastian.

Sebastian brachte heute im weltweiten Internet folgenden Ausspruch:

 

Ist simpel, wer sich exponiert, egal wie, muss dann auch den Arsch in der Hose haben mit den Reaktionen zu leben. Haben viele nicht, deswegen ist alles “Auuusoooom” und so haben sich alle lieb und feiern ihren verfickten Trash als geilste Erfindung seit geschnitten Brot.

 

Recht hat er. Und wer jetzt „verfickter Trash“ definiert haben will, der ist hier sowieso verkehrt.

Eigentlich ist so ein bisschen „Arsch in der Hose“ ja ganz einfach. Wer ausspricht was er denkt, wer also in der Lage ist, seine Meinung ungeschönt auf den Punkt zu bringen, wer keine davor Angst hat, nicht „everybodys darling“ (also „jedermanns Arschloch“) zu sein – der hat Arsch in der Hose.

Jemand, der sich traut seine Meinung klar zu äußern.
Jemand, der nicht erst im Mainstream scannt, wie unverbindlich er diese denn nun formulieren muss, damit es ungefährlich bleibt.
Jemand, der ohne die Hintertür „oh, da hast du mich falsch verstanden“ auskommt.
Jemand, der auch mal keine Meinung hat und dem Rechnung trägt, indem er es zugibt.
Jemand, der auch mal gegen den Strom schwimmt, indem er unter 70 „awesome“ auch mal ein „scheiße“ kommentiert.

Das ist Arsch in der Hose.

Diese allumfassende, jeden liebhaben wollende Kuschelmentalität, die sich breit gemacht hat, geht mir tierisch auf die Nerven. Gerade auch im Bereich Fotografie. Die Aussprüche „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ oder das Ding mit der „Geschmackssache“ sind wie eine überdimensionale Drehtür ohne Ausgang, ist euch das noch nicht aufgefallen?

Wer nach allen Seiten offen ist, der kann nicht ganz dicht sein.

Von wem das ist, weiß ich nicht. Aber es ist gut! (Nachtrag: Tucholksy war es – danke Stefan)

Stellung beziehen ist mühsam. Ich weiß. Aber wer sich diese Mühe nicht geben will, hat entweder Gründe oder eben keinen Arsch in der Hose. Dann soll er aber auch schweigen und nicht unverbindlichen, in jede Himmeslrichtung auslegbaren Quark von sich geben nur damit man ihn nicht übersieht.
Man muss nicht zwingend zu jeder Wurst seinen Senf abgeben.
Ich wollte eh schon immer wissen, wer dieses Gerücht gestreut hat. Hier sind es nämlich nicht die Lauten die gehört werden, sondern die, die etwas zu sagen haben.

Danke.