Mach mal lasziv

Wenn man, so wie ich, am liebsten Menschen fotografiert, dann kommt man einfach nicht daran vorbei, dann und wann durch die Mausikarteien zu schlendern, auf der Suche nach – ja, nach was eigentlich?

Da sind Bilder in meinem Kopf, wabern wie Nebelfetzen, schleichen sich an, setzen sich fest und irgendwann wollen sie raus. Und dann gehe ich los und suche die Menschen, die in diese Bilder passen sollen. Müssen.

Nun komme ich, anders als früher, nicht mehr wirklich in die freie Wildbahn. In meinem Alter ist man früh müde, geschafft vom Tagwerk und wirklich nicht mehr geeignet, um sich die Nächte in Diskotheken zwischen dem ganzen Jungvolk um die Ohren zu schlagen. Die einschlägigen Einkaufsparadiese, die man notgedrungen frequentieren muss, um den Kühlschrank zu füllen, bieten mir zwischen Käse, Milch und Wurst allerlei Schnick und Schnack, aber keine Menschen, die in meine Bilder passen. Was ich sehr bedauerlich finde, denn eine direkte Ansprache zwischen Kartoffeln und Paprika ist mir um einiges sympathischer als das Herumgesuche im weltweiten Netz, das einem viel verspricht und selten etwas hält. Aber es hilft ja nichts, ich brauche Menschen.

Schokolade ist bei diesen Ausflügen unheimlich wichtig. Ohne Nervennahrung geht gar nichts, ich sehe mich mit schlechten Bildern konfrontiert, mit miserablen Selbstdarstellungen und jeder Menge Dollarzeichen, die nicht in mein Budget passen. Und die ich auch nicht bereit bin, für die dargestellte Leistung zu zahlen. “Schönheit liegt im Auge des Betrachters” – ja, deswegen sind so viele Fotografierende blind. Ich brauche keine Playboybunnys (by the way – da weiß ich wenigstens, wo ich sie buchen kann), aber das, was ich suche, finde ich nicht, weil die Bilder auf den hochtrabend “Sedcard” genannten Profilen so hundsgemein schlecht sind, dass man den Menschen, der dafür Modell gestanden hat, gar nicht mehr erkennt. Immer wieder die gleiche Schnute, das gleiche, grenzdebile Lächeln, das wohl verführerisch sein soll. Die Ansage war wohl überall gleich:” Mach mal lasziv”. Oder, von all denen, die das Wort entweder nicht aussprechen können oder es gar nicht kennen oder gar beides :”Guck mal sexy”. Urx. Was ich sehe, ist weder sexy noch lasziv, es ist einfach nur platt und dumm, glücklicherweise habe ich mir das fremdschämen niemals angewöhnt, also muss ich mich damit schon mal nicht belasten.

Wo bekomme ich jetzt aber die Menschen her, die ich vor meiner Kamera haben will? Ich war zwar andeutungsweise erfolgreich bei meiner Suche, habe eine Frau gefunden, die in meine Bilder passen könnte – aber da ist das erste Wort noch nicht gesprochen, sind noch keine Konditionen geklärt und keine Kalender gewälzt. Meine bisherigen Erfahrungen haben ja auch oft gezeigt, dass erste Euphorien gänzlich unangebracht sind, irgendein Mist kommt gerne dazwischen, seien es überzogene Honorarvorstellungen, unliebsame Begleitpersonen oder schlichtes Nichterscheinen zum Termin. Wir werden sehen.

Grundsätzlich kann sich jetzt jedenfalls mal jeder weibliche Mensch, der es bis hierher geschafft hat, angesprochen fühlen, sich bei mir als Modell zu bewerben. Du musst keine große Erfahrung mitbringen, ab einem gewissen Stundensatz solltest Du sie allerdings schon haben, denn ich bring Dir nichts bei und zahl noch dafür. Richtig, der Job wird bezahlt. Die Nutzungsrechte sollen bei mir liegen. Du solltest wissen, was das Wort “lasziv” bedeutet, auch wenn Du die Aufforderung “Mach mal lasziv” von mir nicht hören wirst. Du musst zwingend volljährig sein, am liebsten noch über 25, gerne auch über 40. Hohe Hacken sollten für Dich kein Problem und auch in Deinem Fundus zu finden sein, ebenso Nylons, und Strapsgürtel – so genannte “Halterlose” sind inakzeptabel. Wenn es so weit passt und Du außerdem kein Problem damit hast, zu einem Testshooting vorbei zu kommen, dann könnte das der Beginn einer längeren Zusammenarbeit werden. Ich hätte allerdings gerne, dass Du auf eine Begleitperson verzichtest. Da bin ich eigen. Deine Honorarvorstellungen und ein Bild schick bitte per E-Mail.

Na, nun bin ich aber gespannt :)

 

 

 

 

 

3 Kommentare zu “Mach mal lasziv

  1. epikur

    Hach…in Zeiten des Rainer Brüderle-Aufschreis, in der jede Form von weiblicher Erotik gleich als Patriarchat-Sexismus verurteilt wird, ist es schön zu sehen, dass es noch Frauen gibt, denen das am Arsch vorbei geht :-)

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