Nutzlose Bauchpinseleien

Heute gab es mal wieder elektronische Post der besonderen Art.

Diesmal von einem Online Media Manager, der sich sogleich bemüßigt fühlte, mir im ersten Satz den Bauch zu pinseln.

Auf der Suche nach einem qualitativ hochwertigen Blog zum Thema Fotografie, Bildbearbeitung, Design sind wir auf Ihren Eintrag aufmerksam geworden.

Dann kommt er aber auch gleich zur Sache:

Im aktuellen Monat März bietet Pixxsel – die Webseite des Franzis Verlag mit Auflistung aller Buch- und Softwareprodukte aus dem Bereich Bildbearbeitung, Kameratechnik und Fotografie, das E-Book „Digitale-Fotografie- Basisiwissen“ (Autor: Christian Haasz, 160 Seiten) mit einem Gutschein zum kostenlosen Download an.
Wenn Sie in dieser Nachricht einen Mehrwert für Ihre Leser sehen, würden wir uns freuen wenn sie diese, frei nach nachfolgender Pressemitteilung, bei sich veröffentlichen würden.

Sehr geehrter Herr Bruckner,
ich sehe keinen Mehrwert darin, meinen Lesern ans Herz zu legen, ihre Daten bei Ihnen abzugeben.
Desweiteren sehe ich auch keinen Sinn darin, mir ein solches Angebot zu unterbreiten, ohne auf eine Entlohnung für meine von Ihnen erhoffte Werbetätigkeit für Ihr Unternehmen einzugehen. Hätten Sie sich nur 10 Minuten mit den Inhalten meines Blogs beschäftigt, so dürfte Ihnen aufgefallen sein, dass ich meine Inhalte (Neudeutsch: Content) in den meisten Fällen selbst erarbeite und meine Leser gewiss nicht mit vorgefertigtem Brei  zu langweilen gedenke.
Ich werde also den Teufel tun und mich in die breite Front der Wiederkäuer einreihen, denen selber nichts mehr einfällt.
Auf Ihrer Suche nach Wasserträgern sollten Sie nicht so tun als wäre Ihnen an meiner persönlichen Arbeit gelegen. Viel zu breit haben Sie ihre gleichlautenden Bittschreiben gestreut. Hätten Sie aufmerksam gelesen, wäre Ihnen nicht entgangen, dass mein Wissen und meine Betrachtung der Fotografie erheblich tiefer geht als das von Ihnen angepriesene Machwerk. Bereits die ersten fünf Sätze dieses E-Books müssten Ihnen beim oberflächlichen Vergleich mit den Inhalten meines Blogs deutlich gemacht haben, dass Leser meines Blogs an diesem Werk maximal aus Sicht der unumwundenen Belustigung Interesse haben könnten.
Wie Sie sehen haben Sie mit Ihrer E-Mail genau das erreicht, was Sie wollten: Erwähnung. Aber wie sagt bereits ein altes Sprichwort: “Jeder ist zu etwas nutze, und wenn er nur als schlechtes Beispiel dient”.
Umsichtige Blogger arbeiten übrigens wie gute, freie Journalisten – sie lassen sich nicht vorschreiben, in welcher Couleur gefärbt sie schreiben, was sie schreiben.
Sie können übrigens davon ausgehen, dass das von Ihnen angepriesene Werk aufmerksam gelesen und an anderer Stelle ausführlich besprochen wird.
Merke: Blogger sind vernetzt und selten allein.
Mit freundlichen Grüßen,
Tilla Pe
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20 Antworten zu “Nutzlose Bauchpinseleien”

  1. Moni Sagt:

    Sehr wahr,  sehr gut.

    An Deinem Blogpost kann ich sehen, dass sich das Schreiben in genau einem Fragment von dem unterscheidet, dass bei mir eingetrudelt ist.

    Liebe Grüße von der mit der Motivklingel ;-)

  2. creezy Sagt:

    Bin heute durch einen anderen Twitterer auf das „tolle“ Angebot aufmerksam gemacht worden. Stand dann auf der Seite und nahm die Registirierungspflicht zu Kenntnis. Ärger war so bedeutend, dass ich sofort die Seite geschlossen habe … üblicherweise, wenn man mich nicht ärgert, gucke ich mir jede Seite, die Fotografie als Thema hat, näher an. Diese eben nicht. So funktioniert Online-Kundenintelligenz.

    Schönes Post!

  3. Michael Gottwald Sagt:

    Über den “grünen Klee” gelobt zu werden, nur damit man mich vor den eigenen Karren spannen kann – Das ärgert mich auch!

    Aber der Name dieses “Karrens”  ist Werbung, und ein Ziel der Werbung ist es etwas bekannt zu machen. So gesehen frage ich mich ob Herr Bruckner sein Ziel nicht auch bei Dir erreicht hat. Aber zumindest ist die Art der Aufmerksamkeit nicht ganz die Gewünschte….

    Grüße
    migowa

  4. Tilla Sagt:

    Na sicher hat er ein Ziel erreicht – habe ich ja auch geschrieben. Mit Sicherheit ist es nicht das Gewünschte, allerdings bläst es die Mappe mit den Clippings auf, die er seinem Kunden vorlegen kann. In diesem Fall ist mir das jedoch wurscht – was raus muss, muss eben raus ;)

  5. Herr Olsen Sagt:

    Hm. Ist das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, dass ich diese Mail nicht bekommen habe?

  6. boris Sagt:

    Darf ich mit unterschrieben? Herr Bruckner hatte meinen Qualitätsblog  selbstverständlich auch in den erlauchten Kreis mit aufgenommen ;)

  7. Sören Sagt:

    Sehr schön geschrieben, so sieht das noch besser als auf twitter aus!

    Und das ist sicherlich nicht die Reaktion die Herr Bruckner sich erhofft hat.

    Wann begreifen manche Menschen das nicht jeder Internetuser dumm ist?

  8. 40something Sagt:

    Hm. Seiner Werbung dient es auf jeden Fall. Wäre doch nett, den Namen des Verlags und den Buchtitel einfach durch xyxyxyx zu ersetzen – die Fotocommunity weiß – s.o. – eh, wer gemeint ist. Und die anderen kommen gar nicht in Versuchung, nach diesem E-Book zu gucken ;-)

  9. Tilla Sagt:

    Och nö. Vielleicht googelt ja mal sein Auftraggeber Chef….

  10. zoomyboy Sagt:

    Und was mich auch noch stört, sind diese Retortenmails ohne Persönliche Anrede. Diese Mails bekommen die Höchststrafe, den “Delete” Button.
    Und warum glauben solche Firmen immer, wir Blogger lechzen nach ihren Halbherzigen Produkten?

  11. Dominic Portain Sagt:

    Irgendwann, eines Tages, wird die Zeit kommen, in der sogar Buchverlage verstehen, wie das Internet funktioniert.
    Weil dieser Zeitpunkt aber noch im fernen Utopia liegt, sollten wir uns über solche hilflosen Bemühungen nicht weiter ärgern.

  12. Martin Sagt:

    Gut gebrüllt Löwin!!!

  13. Omori Sagt:

    Dieses Mal habe ich auch bereits gelöscht.
    Andere Firmen machen es besser: Persönliche Ansprache, passender und interessanter Content, gutes Bildmaterial, nur gezielte Ansprache einzelner Blogs –> da mache ich gerne ein wenig Promotion.

    Gruß Michael

  14. R. Kneschke Sagt:

    Ich habe die Mail auch bekommen, dachte mir aber, dass ich meine (hoffentlich eher erfahreneren) Leser nicht mit einem Beginner-Buch langweilen will.

  15. Tilla Pe» Blogarchiv » Die Geister, die ich rief… Sagt:

    [...] Tilla Pe Bilder & Geschichten « Nutzlose Bauchpinseleien [...]

  16. aebby Sagt:

    Mich persönlich ärgert bei den Promotion Mails am meisten, dass die Absender manchmal ganz offensichtlich kein Wort in dem angeschriebenen Blog gelesen haben. Ich habe kürzlich eine für meinen beruflichen Blog erhalten, just an dem Tag als ich im Blog geschrieben hatte, dass ich künftig auf jede Werbung verzichten werde.

    Über den konkreten Inhalt dieses Falls gehe ich jetzt bei Michael lesen ;-)

  17. petra Sagt:

    sorry, ich kann es mir nicht verkneifen: grinse hier…

  18. Tilla Pe» Blogarchiv » Fanpost Sagt:

    [...] sein könnte, hat man wohl sicherheitshalber auch noch einen Ausdruck meines Blogs beigelegt, der relevante Artikel wurde dabei liebevoll mit Textmarker [...]

  19. Boris Sagt:

    Ich sehe das etwas lockerer:
    - Ein Buch wurde geschrieben und es wird normalerweise verkauft.
    - Nun wird es unentgeltlich angeboten. Man bezahlt mit der Angabe seines Namens etc. Das Angebot ist also als Marketing zu verstehen.

    Das ist, mal grundsätzlich, nicht verwerflich. Auch dass Blogger angeschrieben werden um diese darüber zu informieren ist im Grunde völlig in Ordnung.

    Ob das Buch nun gut oder schlecht ist, das liegt ohnehin im Auge des Lesers. Und dank Blogs wird es herumsprechen wie das Buch ist.
    Dass man dafür seine persönlichen Daten hinterlegen muss sieht man auch und niemand zwingt einen.

    Was aber wirklich nervt, das sind diese Pseudo-Persönlichen Anschreiben. Wenn sich die Leute nicht mal die Mühe machen den Namen heraus zu finden, wenn nicht mal der letzte Beitrag gelesen/angehört wird um den Stil des Blogs zu erfassen, dann ist das schon sehr traurig.

    Aber man muss den “alten” Verlagen auch etwas Zeit zugestehen. Man wechselt nicht mal eben so von einer in die andere Welt. Nun werden Blogs und Podcasts in Deutschlang ganz langsam wahrgenommen und die ersten Gehversuche unternommen, diese für sich zu nutzen. Dass dies nicht überall mit dem Pauschalhammer funktioniert werden sie auch noch lernen.

    Ich glaube nicht, dass sie dumm sind oder dies in böser Absicht machen. Sie sind auf diesem Gebiet einfach unerfahren, wie jeder von uns wenn er sich in ein neues Thema einarbeitet. Ich versuche das eher freundschaftlich zu sehen und drücke mit einem netten Lächeln den Lösch-Knopf :)

  20. Jana Sagt:

    Aber es ist bemerkenswert, wie sehr diese Leute alle Blogs abgrasen, nach richtigem Namen suchen und diese e-mail dann verteilen. Ich habe sie in ähnlicher Form nämlich auch bekommen. Ich habe mir nur nicht die Mühe gemacht und geantwortet sondern habe gleich auf meinem Spam-Knopf gedrückt.

    @Boris: bei mir haben sich zumindest die Leute die Mühe gemacht und haben nach meinem Namen gesucht und sind sogar inhaltlich auf einige Artikel eingegangen. Ich gebe dir aber recht, sie sind unerfahren, sodass es nicht den positiven Effekt bei mir hatte, dass ich den Inhalt in meinem Blog weitertragen würde. Da muss man mich schon anders überzeugen. Andere Verlage verschicken ganze Rezensionsexemplare und diesen Weg finde ich gar nicht so verkehrt.

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