Als mich Ronald Puhle vor etlichen Wochen fragte, ob ich Lust hätte, ein paar Bilder für sein Buch über iPhone-Fotografie beizusteuern, habe ich, ich gestehe, erst einmal herzlich gelacht.
Mit dem iPhone fotografieren, Kinderkram. Keine Herausforderung für mich. Digitaler Spielkram. Praktisch, um schnell mal fix etwas zu dokumentieren und in Twitter zu schieben. Dachte ich. So oder ähnlich habe ich mich auch Ronald gegenüber geäußert.
Ich hatte gerade erst angefangen, mich halbherzig mit der ein oder anderen App in Sachen Fotografie zu beschäftigen und all das, was kostenfrei angeboten wurde, hat mich nicht wirklich überzeugt. Zu geizig um Geld für digitalen Spielkram auszugeben bin ich außerdem. Von Hipstamatic und anderen, kostenpflichtigen Apps hatte ich schon gehört, habe aber innerlich abgewunken. Geldschneiderei, Blödsinn, BrauchtkeinMensch.
Ich benutze mein iPhone um zu telefonieren, SMS zu schreiben, zu twittern und mein Auto in fremden Städten wieder zu finden. Fotografieren mit einem Telefon steht hinten an, denn es ist ja tatsächlich so, dass ich immer eine “richtige” Kamera dabei habe.
Nun ist es aber so, dass ich grundsätzlich ein neugieriges Wesen bin. In einem Moment des Leerlaufs, sprich: Kurz vor dem Einschlafen, habe ich mich mangels passender Einschlaflektüre dann doch ein bisschen mit den fotografischen Möglichkeiten meines Telefons beschäftigt. In solchen Momenten bin ich zugegebenermaßen auch schwach (Wer mir also etwas verkaufen will, ich habe gerade den günstigsten Zeitpunkt verraten, mir erfolgreich etwas anzudrehen) und ehe ich wusste, wie mir geschah, hatte ich Hipstamatic aus dem App-Store gekauft. Bezahlt. Also muss es auch genutzt werden.
Ich gestehe, es gefällt mir. Es gefällt mir, mich mit den verschiedenen Möglichkeiten zu befassen, die einem diese App bietet. Es macht mir Spaß auszuprobieren, welche Kombinationen von “Objektiv” und “Film” welche Ergebnisse bringt. Ich bin versucht zu schreiben: “Fast wie im echten Leben”. Und ich schalte ab und an sogar einen “Blitz” zu, was ich normalerweise ja immer verweigere. Inzwischen habe ich noch den ein oder anderen “Film” dazu gekauft, auch die “Objektiverweiterung” hat Einzug in mein Telefon gehalten.
Ronald hat in der Zwischenzeit sein Buch fertiggestellt und ich weiß nicht, wie er es gemacht hat, aber er hat wohl intuitiv geahnt, dass mich mein iPhone umtreibt und mir ein Exemplar geschickt.

“Apps für iPhone-Fotografen” ist bei Markt & Technik erschienen, ein Verlag, den ich meist links liegen lasse, weil ich eben nicht zu den Menschen gehöre, die Techniklektüre inhalieren können. Schon gar nicht im Bett, denn ich bin ein haptischer Lerntyp , das heißt, ich muss, wenn ich will, jede Zeile Gelesenes umgehend ausprobieren können. Mit so einem iPhone ist das natürlich kinderleicht, man nimmt es samt Buch mit ins Bett
Und kann auch gleich wieder Geld ausgeben, denn ich konnte der Versuchung natürlich nicht widerstehen (siehe oben) mir eine weitere App zu kaufen. iPhone-Laborgepansche mit dem wunderbaren Namen “SwankoLab” – über dem Herumprobieren bin ich glatt eingeschlafen.
In einem meiner früheren Leben habe ich auch den Beruf der Buchhändlerin erlernt. Das ist wohl mit ein Grund dafür, dass ich eine vielleicht etwas seltsam anmutende Herangehensweise an Bücher habe. Nicht lachen, aber an neuen Büchern rieche ich sogar. Ronalds Buch riecht gut. Das Format allerdings will mir nicht so recht gefallen. Man stelle sich vor, mit iPhone und Buch in die Bettdecke gekuschelt, am Herumprobieren und nachlesen und dauernd fällt das Buch zu, weil es zu schmal geschnitten ist. Liebe Leute von Markt & Technik – das ist Käse! Es passt mit dem Format 24×14 nicht in die Hemdtasche, was soll also der Geiz? Ihr habt es aber wieder einigermaßen wett gemacht, weil mir das Layout dann doch wieder sehr gefällt. Übersichtlich und gut strukturiert und für jemanden, der seit ein paar Monaten mit Lesebrille ins Bett geht, mit guter Schrift und klar strukturiert aufgebaut!
Zum Inhalt: Ich gestehe, ich bin ein bisschen drum herum geschlichen. Technikbücher, you know?
Aber ich muss sagen, der Text ist gut geschrieben. Ohne unnötiges Femdsprachfachgequatsche und absolut verständlich, obwohl techniklastig.
Es steht alles drin, was man so braucht, wenn man frisch in der iPhone-Szene herumfotografiert. Angefangen bei “Das iPhone als Fotoapparat” (Boah – was hatte ich Bauchweh, als ich die Überschrift las) über “Fotos mit dem iPhone bearbeiten” bis hin zu “iPhone-Fotos weltweit teilen”. Und immer schön mit Tipps und Tricks versehen, so mag ich das 
Viele bunte Bilder finden sich auch und, was ich besonders schön finde, unterschiedliche Statements von Menschen, die sich nicht schämen, mit dem iPhone zu fotografieren! Deren Bilder finden sich natürlich auch und sie sind wunderbar unterschiedlich!
Die etwa 230 Seiten habe ich nicht alle gelesen, bestimmte Sachen interessieren mich nun einmal (noch) nicht, ich habe mir die Kapitel herausgepickt, die mir für meinen Fall am interessantesten erschienen. Und auch das geht – ich werde also nicht gezwungen, das Buch von vorne bis hinten, Buchstabe für Buchstabe zu lesen um zu kapieren. Deswegen hat das Werk einen festen Platz in dem Stapel neben meinem Bett gefunden.
Der Schnelllebigkeit des Mediums wurde auch Tribut gezollt, Ronald hat einen Blog eingerichtet, der das Buch quasi updatet.
Fazit: Mag ich, empfehle ich

ISBN: 978-3-8272-4671-4
240 Seiten – 4-farbig
erschienen 28.9.2010
€ 19,95 [D]
Das gibt es auch als E-Book – ich mag ja lieber Papier.