Archiv für die Kategorie ‘Gedanken über die Fotografie’

Kackbild

Freitag, 02. Dezember 2011

War ich vor ein paar Tagen noch restlos begeistert von der Dunkelkammerarbeit,  so hat mich diese Woche doch tatsächlich der Frust gepackt. Ich hatte vergessen, dass es nur ein wirklich gutes Bild in die DuKa schaffen kann. Kackbilder werden nicht verziehen. Niemals. Never. Jamais.

Ich erinnere mich, ich habe ein bisschen geflucht, als ich damals die Bilder scannte und bearbeitete. Irgendwann mochte ich sie sehr. Und jetzt haben sie das Prädikat “Kackbild”. In der Dunkelkammer zeigt sich, dass ein Bild ausbelichtet und zum Anfassen ganz anders wirkt als auf einem Monitor. Plötzlich “funktioniert” es nicht mehr.

Klick und so für big und so

Es sieht gut aus auf dem Bildschirm. Finde ich. In 30×30 ausbelichtet tut mir der Schnitt durch die Hände in den Augen weh. In der Hand ebenso wie an die Wand gehalten. Lehrgeld. Ich muss nochmal ausprobieren, wie es im gerahmt mit Passepartout wirkt. Große Hoffnung habe ich aber nicht.

Das nächste Bild aus der Serie besticht durch die Schärfe auf dem Boxhandschuh. Zumindest war das der Gedanke, als ich es fotografierte.

Klick = big

Auf der Grundplatte des Vergrößerers sieht alles ganz wunderbar aus. Aber schon die Testausbelichtungen zeigen, dass es ein Kackbild ist. Die Unschärfe auf den Augen, die weder Fisch noch Fleisch ist, die Haut, die zu hell ist und keine Struktur mehr zeigt – diese Fehler kann kein Boxhandschuh der Welt mehr ausbügeln.

Gelernt habe ich also:

  • Nicht jedes Bild, das hybrid verarbeitet gut ist, ist es auch wert, dass man es mit in die Dunkelkammer nimmt.
  • Knappe, unerwartete Schärfeverläufe sind hipp, schick und was weiß ich noch, führen aber gerne zu einem Kackbild, will man es richtig schön mit der Hand im Rotlichbezirk auf Papier zaubern will.
  • Lieber weniger Licht und eine ruhige Hand als zu viel Licht, die eine ohnehin schon zarte Hautstruktur verschwinden lässt.

Andererseits – es geht ja auch umgekehrt. Negative, die hybrid nicht zu schaffen waren, finden jetzt den Weg  in die Dunkelkammer und locken mir entzückte Seufzer von den Lippen. Und da ich lieber in der Dunkelkammer puzzle als am Rechner, werde ich jetzt nur noch solche Bilder machen. Jawoll.

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Von Lust und Frust

Donnerstag, 24. November 2011

Die Dunkelkammer hat mich wieder. Ich schrieb bereits davon. Und da der Lieblingsmensch gerade an Tonern bastelt, war es mir gestern ein besonders dringendes Bedürfnis, im Rotlichtbezirk zu verschwinden. Ich wollte auch getonte Bilder. (Wer mich kennt, kann sich an dieser Stelle das Aufstampfen mit dem Fuß gerne denken, es entspricht durchaus der Realität).

Gesagt – getan. Mit einem ganzen Bündel Negative, aus meinem Archiv gefischt, verschwand ich im Dunkeln. Und tauchte auch die nächsten Stunden nicht mehr auf. Ich hatte unter anderem Negative gegriffen, mit denen ich mich das letzte Mal vor bestimmt 5 Jahren auseinandergesetzt habe. Ich erinnere mich, diese Negative gescannt zu haben. Und ich erinnere mich auch, dass ich die komplette Serie verworfen hatte, weil ich unzufrieden mit den Ergebnissen war. Zu wenig von dem, was ich zeigen wollte, war zu sehen. Und stundenlanges Herumschrauben mit einer Bildbearbeitungssoftware liegt mir einfach nicht. Wie gut, dass ich auch die schlechtesten Negative niemals weg werfe. :)

Jetzt kamen sie mir gerade recht. Ich habe ein bisschen geturnt und gemacht und getan. Dann kam lieber Besuch und wir standen zusammen im Dunkel und wie das so ist, wenn man abgelenkt ist, prompt habe ich den falschen Knopf am Timer erwischt und dem Bild eine Extraportion Licht gegeben, die natürlich nicht berechnet war und sich auch nicht nachvollziehen ließ. Gefrotzel. “Pass auf, das ist jetzt DAS Bild und Du weißt nicht, wie viel Extralicht es abbekommen hat.” Ähm.
Natürlich ist es dann auch genau so gekommen. Danke, Christian.

Es hat ein bisschen gedauert, aber wir konnten das Versehen reproduzieren. Hurra. Die erste Variante kam zwar ein bisschen schief auf das Papier, aber da sie nur dazu dienen sollte, die Unterschiede zur getonten Variante zu zeigen, hab ich das mal so gelassen. Ein bisschen Pfusch also auf 13×18 – bei den großen für die Wand gebe ich mir mehr Mühe :)

klick macht wie immer big

Nachdem dann die Papierabzüge im Wasser schwammen, wurde alles für den großen Moment der Tonung vorbereitet. Kaffeebraun sollte es werden. Ich bin hin und weg.

auch hier: klick & big und so

Das war also das Ding mit der Lust. Ich bin sehr begeistert von dem Toner, der immer noch keinen Namen hat. Aber wir arbeiten dran.

Der Frust kam dann heute. Ich musste den Scanner anwerfen und die Abzüge scannen, damit ich Euch etwas zeigen kann, was über die iPhone-Abbildung hinaus geht. Trotz hoher Auflösung sahen die Bilder sehr viel platter aus als in natura. Und nach der Verkleinerung für das Web und der Komprimierung in jpg hatte ich fast Tränen in den Augen. Detailverlust galore. Aber da ich die Prints habe, kann ich dann doch damit leben :)

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In der dunklen Kammer der Macht

Donnerstag, 03. November 2011

Wie war es großartig, seine Negative scannen zu können und gemütlich mit Kaffee, Keksen und einem Bildbearbeitungsprogramm am PC bearbeiten zu dürfen. Hach.
Gut, das Scannen in einer vernünftigen Auflösung kostet Zeit. Und wenn dann so ein Kleinbild mit 4800 dpi aus dem Scanner kommt, kotzt auch das beste Bildbearbeitungsprogramm, wenn es aufgefordert wird, das Bild zu laden. Aber es ist so schön bequem. Mit einem ordentlichen Bildbearbeitungsprogramm kann man ja auch all das machen, was man “früher” in der Dunkelkammer machte. Wunderbar. Und wenn man die große Auflösung nach ewig langem Herumklicken endlich so verkleinert hat, dass man es bequem ins Netz stellen kann, dann kann man sein Werk ja auch ganz fix allen Menschen zeigen. Toll.
Und es kommt einem auch so vor, als sei diese Prozedur nicht nur bequemer als die Arbeit in der Dunkelkammer sondern auch schneller.

Tja.

Und dann kommt der Tag, an dem man einen ausreichend großen Raum zur Verfügung hat, der dunkel ist und in dem etliche Vergrößerer Platz haben. Die dürfen dann auch da stehen bleiben, denn der Raum wurde zur Dunkelkammer und zum Laborbereich auserkoren. Mit großen Waschbecken, fließend warm und kalt Wasser, Arbeitstisch und fantastischen 4 Dunkelkammerleuchten. Kein kleines Badezimmer, das immer dann von anderen gebraucht wird, wenn man gerade dabei ist, sein Fotopapier zu belichten. Kein Aufbauen und Abbauen von Vergrößerer und Zubehör. Keine ewiges Suchen nach den Gradationsfilterfolien. Und dann sagt man sich “Warum nicht mal wieder mit echter Chemie und richtigem Papier hantieren? So zwischendurch? Um zu schauen, ob man es noch kann?”

Böse, böse. Denn kaum hat man es gewagt, ist man wieder drauf auf der Droge “Handausbelichtung”. Man hat zwar keine Übung mehr, aber ein bisschen ist es ja schon wie Rad fahren. Verlernt man auch nicht, man ist anfangs nur ein wenig wackelig, wenn man sich wieder auf den Drahtesel schwingt.

Und jetzt ratet mal, wem das passiert ist.

Klick macht ein bisschen mehr big

Ilford HP5 @1600 entwickelt in Spürsinn HCD-S und HCD-2.
DFB-Pokalspiel Eintracht Braunschweig gegen Bayern München.

Scan vom Print.
Und nein, ihr dürft das gescannte Negativ nicht zum Vergleich sehen, ich habe es nämlich nicht gescannt. In der Dunkelkammer war ich schneller. Echt jetzt. :)

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Mit Farbe schwarzweiß fotografieren

Samstag, 27. August 2011

Ich beschäftige mich ja nun auch schon etwas länger mit analoger Fotografie.

Allerdings habe ich um das Thema Farbfilter in der Schwarzweiß-Fotografie immer einen eleganten Bogen geschlagen. Der Grund dafür ist relativ einfach. “Willst Du Drama in den Wolken, dann nimm ‘nen Rotfilter” war alles, was ich mir tatsächlich merken konnte und ich fotografiere eigentlich so gut wie nie Wolken. Für ein Shooting im Schnee habe ich meiner Kiev mal einen Orangefilter gegönnt. Und für meine Rolleiflex habe ich diverse Filter (die sich in den Umzugskartons versteckt haben, wie aufmerksame Verfolger schon mitbekommen haben). Der Lieblingsmensch hat schon öfter versucht, mir das Filterthema nahe zu bringen, aber es hat nie gefruchtet. Was sicherlich nicht an der Erklärbärqualität des Lieblingsmenschen liegt, das kann er schon ganz gut. Nein, ich denke, ich muss bestimmte Erklärungen einfach einsickern lassen und mich quasi im stillen Kämmerlein damit befassen, damit das Thema Wurzeln schlagen kann. Und das Thema sollte möglichst wenig mit Rechnen zu tun haben.
Nun ist es so, dass man bei der Benutzung von Farbfiltern rechnen muss. Nicht viel, zugegeben, aber rechnen. Und Rechnen liegt mir einfach nicht. Deswegen das elegante Umschiffen und die grandiose Vergesslichkeit beim Thema “Farbfilter in der analogen Schwarzweiß-Fotografie”.

Der Lieblingsmensch konnte das nicht mehr mit ansehen und hat sich hingesetzt und ein kleines Buch verfasst. Und weil wir ja so schön zweinullig sind, ist es ein E-Book geworden.
Natürlich wünsche ich ihm zahlreiche Downloads, das Ding kostet immerhin 5,99 Euro und da kommt vielleicht die ein oder andere Pizza oder gar der ein oder andere neue Filter für ihn dabei heraus. ;)
Es ist aber auch tatsächlich so, dass ich das Thema plötzlich begriffen habe. Und selbst die Rechnerei schreckt mich nicht mehr ab – es ist nämlich gar nicht so schwer, wenn man es erstmal begriffen hat. Und deswegen lege ich das Werk allen ans Herz, die bisher auch einen großen Bogen um Farbfilter geschlagen haben.

Wer erst einmal reinlesen möchte, der kann das tun, bei Spürsinn gibt es eine Leseprobe.

Kaufen kann man das Machwerk dann ganz fix und über Paypal, indem man auf den kleinen Einkaufswagen klickt :)

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Höher, schneller, weiter

Donnerstag, 11. August 2011

Input von allen Seiten, facebook, Twitter und Google+ tun ihr Bestes um mich auf dem Laufenden zu halten. Bilderflut. Schön, scheußlich, nichtssagend, ausdrucksstark, bunt, schwarzweiß, blau, braun, digital, analog, markschreierisch angepriesen und leise ansprechend.

Viele dieser Bilder haben eines gemeinsam. Sie schreien regelrecht heraus, dass ihre Urheber nur eines im Sinn haben, sie wollen auffallen um jeden Preis. Die Sucht nach dem “anders”,  leider viel zu oft gleichgesetzt  mit “besser”, treibt so manchen Herrscher über Chip und Silberkorn in Bereiche, die an Hochleistungssportarten erinnern.

Vielleicht bin ich ja altmodisch.
Ich mag Bilder, die mich ansprechen. Die eine Saite in mir zum Klingen bringen. Dabei ist es mir relativ wurscht, mit welchem Aufwand sie aufgenommen wurden, ich stelle jedoch fest, dass  einfache Gestaltungen sehr viel  mehr und intensiver Einzug in meinen Kopf halten.
Ich mag Portraits, die mir etwas über den Abgebildeten verraten. Dafür muss er nicht mit dem großen Zeh auf einem Goldfischglas balancieren. Wichtiger ist mir, ob ich das Gefühl habe, ihn kennen lernen zu wollen, weil sein Bild mir verspricht (oder ich meine, dass es das tut) dass es sich lohnen könnte.
Ich mag Schönheiten, deren Augen strahlen. Weil sie das im echten Leben tun und nicht weil mit Ringblitz und Nachschärfen ein puppiger Strahle-Effekt hervorgezaubert wurde.
Ich mag Gesichter mit Ausdruck. Lachfalten, die mir zeigen, dass da Glück und Lust am Leben sind. Gerne gekoppelt mit Händen. Wedelnd, ruhend, gestikulierend, anfassend. Ich mag auch traurige Gesichter. Schon. Aber keine Gesichter, denen der Schrecken in den Augen steht, weil ihnen jemand auf die Pelle gerückt ist um sie mit der Kamera “abzuballern”.
Ich mag Bildergeschichten. Solche, die sich auf leisen Sohlen und vielleicht auch mit einem Augenzwinkern in mein Fotoherz schleichen. Nicht die, die mit brutalem Schrei auf mich zustürmen und um Aufmerksamkeit betteln  “Sieh her, ich bin mit ganz tollem Equipment und enormer kreativer Energie gemacht worden und stell Dir vor, man hat für mich einen ganzen Flughafen gesperrt und aus 473 Aufnahmen bin ich auserwählt worden!”
Ich mag Alltäglichkeiten. Kaffeebecher, die uns tagtäglich so wichtig sind. Ausblicke aus Fenstern, die uns täglich begegnen. Wäscheklammern. Wolken. Lampen. Menschen, die mir begegnen. Und ich merke, dass ich anders betrachte als noch vor ein paar Jahren.

Ich mache mir Gedanken über Sichtweisen. Sehen lernen. Bildbetrachtung. Gestaltung. Und ich beobachte wie das, was ich jeden Tag sehe, mein Sehen verändert.

Klick macht big

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Das blaue Wunder

Montag, 25. Juli 2011

Cyanotypie lässt mich nicht mehr los. Zu faszinierend finde ich die Möglichkeiten und Varianten, die mir bei diesem Edeldruckverfahren zur Verfügung stehen. Ich durchforste meine Negative nach geeigneten Bildern, die ich groß und blau haben will.

Ich habe ja schon erzählt und gezeigt, wie ich Negativstreifen in die Sonne gelegt habe. Grundsätzlich ist das eine schicke Sache, auf Dauer allerdings unbefriedigend und für meinen Geschmack definitiv zu klein. Ich wollte größer. Die meisten meiner Negative liegen mir in digitaler Form vor, zumindest immer dann, wenn ich zum Scannen komme. ;)

Die ersten Versuche, ein digitales Bild zu vergrößern und auf einen Träger zu bekommen, der mir das Negativ ersetzt, fanden auf einer Folie statt, die ich durch den Tintenpinkler Tintenstrahldrucker geschickt habe. Nichts für mich, da die Folie unbedingt noch recht lange trocknen muss, ehe man sie verwenden kann. Dafür bin ich viel zu ungeduldig. Mal ganz abgesehen davon, dass das ein sehr teures Vergnügen ist und die Ergebnisse mich nicht wirklich überzeugt haben.

Der nächste Versuch fand mit einer Art Butterbrotpapier statt, das uns unser Papierhersteller genau zu diesem Zweck zum Testen schickte und siehe da, der Ausdruck war sofort trocken, das Ergebnis ganz wunderbar, das Papier hat den Test bestanden und wird als “Spürsinn BluePrint” ins Programm aufgenommen.

Ich hatte mir absichtlich ein sehr kontrastreiches Negativ ausgesucht und in einem Bildbearbeitungsprogramm die Gradationskurven etwas steil angezogen. Dann die ganze Geschichte invertiert und passend für ein DIN A4 Blatt “Noble Vat Large” skaliert.

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Das Ganze wurde mit einem stinknormalen HP Photosmart D5460 auf “Spürsinn BluePrint” ausgedruckt. Bereits ein paar Stunden vorher hatte ich ein “Noble Vat” in DIN A4 mit der Emulsion für Cyanotypie beschichtet. Fräulein Ungeduld saß mir auf der Schulter, deswegen war das beschichtete Papier noch nicht 100% trocken als ich es aus dem dunklen Karton holte und zusammen mit dem neu geschaffenen “Negativ” zwischen zwei Glasplatten legte.

Der Sommer lässt uns ja gerade ein bisschen im Stich, gepriesen sei also die elektrische Sonne ;) 8 Minuten Belichtung vor dem Gesichtsbräuner, dann das übliche Prozedere. Stoppen, Wässern und zum Schluss das Zaubermittel Wasserstoffperoxid.

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Klick macht big

Die “Flecken”, die ich bei diesem Bild als durchaus passend empfinde, sind entstanden, weil die Beschichtung noch nicht ganz durchgetrocknet war. Das Erscheinungsbild kann man also nicht nur durch die Wahl der Pinsel, mit denen man die Cyano-Chemie aufträgt und durch die Wahl des Papiers beeinflussen. Da gibt es noch viele andere Möglichkeiten, mit denen man herumspielen kann :)

Spannend ist, dass man mit diesem Verfahren auch Bilder, die rein digital entstanden sind, verarbeiten kann.

Einen Workshop dazu gibt es auch, noch sind ein paar Plätze für den 14. August frei.

Musik: Rainbirds-Blueprint
Chemiepaket: Cyanotypie
Pinsel im Einsatz: scruffy face
Transparentpapier: Spürsinn BluePrint
Büttenpapier: Noble Vat Large
Ein bisschen mehr erklärt: Cyanotypie im Plauderton

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Blue

Dienstag, 28. Juni 2011

Bei Spürsinn können wir ja die Füße nicht ruhig halten, das machen die Spielkinder in uns nicht mit.

Die Sonne scheint, das gehört ausgenutzt. Cyanotypie wollte ich schon immer mal ausprobieren. Nach meinem Umzug nach Braunschweig sind viele meiner Negative noch in Kartons vergraben, die selbstverständlich, weil das ja immer so ist, unter anderen Kartons vergraben sind…. aber so nach und nach kommen sie ans Licht. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Die ersten Negative, die aufgetaucht sind, waren die Gelatinenegative, die ich vor etlichen Jahren auf dem Flohmarkt gefunden habe. Auf vielen sind Menschen zu sehen und deren Kleidung verrät mir, dass die Bilder vor dem ersten Weltkrieg gemacht wurden. Ich habe allerdings eines ausgesucht, auf dem ein Gebäude zu sehen ist, weil ich mir nicht sicher war, ob die ollen Dinger die Behandlung mit starker Sonneneinstrahlung überstehen.

cyano_002web

(Klick macht big)

Vorweg gesagt, das Negativ ist in der Sonne sehr weich geworden und hat sich gerollt, aber nachdem es wieder im Kühlen und zwischen zwei Büchern gelandet war, war es nach 10 Minuten wieder ganz wunderbar glatt und hat die Reise ins Licht unbeschadet überstanden.

Ich bin ganz schön begeistert und werde nach und nach noch ein paar weitere Negative dieser Prozedur aussetzen.
Da diese Bilder mit einer Plattenkamera gemacht wurden, haben die Negative auch ein wunderbar ansprechendes Format. Bei der Cyanotypie handelt es sich ja um ein Kopierverfahren 1:1.

Die Überlegung, was man nun mit Kleinbildnegativen anfangen kann, lag natürlich nahe – man versucht es mit kompletten Streifen.

cyano_001web

(Klick macht big)

Schicke Sache – so lange die Sonne scheint, werde ich nach und nach immer mehr mit dieser Technik ausprobieren. Vandyke ist auch noch geplant, ich warte gespannt auf das Paket mit der Testchemie. Die Werbetrommel wird dann, wenn es so weit ist, drüben auf dem Spürsinn Blog gerührt.

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Mir ist Großes widerfahren!

Dienstag, 23. November 2010

Ich bin ja, was Fotografie angeht, nicht so ganz unbeleckt, aber vor der Fotografie mit einer Großformatkamera hatte ich immer einen Heidenrespekt.

Es ist nicht so, dass ich noch nie mit einer großen Kamera herumgespielt hätte. Meine ersten Versuche habe ich mit einer Plaubel PL1 gemacht, heute würde ich sagen, das war experimentelle und sehr intuitive Fotografie, denn wie man mit einer Fachkamera richtig belichtet, das habe ich zu diesem Zeitpunkt nur erfühlt, aber nicht gewusst ;)
Den Virus, verantwortlich für die Sucht nach großem Format, hatte ich mir ja schon lange eingefangen. Latent hat er immer in mir geschlummert, mich begleitet, wenn ich mit 6×9 fotografiert habe, was ja auch schon schön groß ist, aber eben nicht so groß, wie ich es gerne hätte.

Da ich nicht alleine mit meiner Neugierde in der fotografischen Welt herumstehe und wir immer wieder gefragt wurden, ob man nicht einen Workshop in Sachen großes Format machen könnte, haben wir mit Spürsinn am 6. und 7. November mal eben einen fast schon spontanen Workshop auf die Beine gestellt. Und ich war so richtig als Teilnehmerin dabei.

Es hat einen Riesenspaß gemacht. Ich habe tierisch etwas dazu gelernt. Und ich darf auch ein Ergebnis zeigen!
Die Aufgabe lautete: “Einmal weit weg und einmal nah dran” – ich zeige Euch nur “Einmal weit weg”, denn “Einmal nah dran” ist nicht so gut geworden. Zwar machte das Negativ einen fantastischen Eindruck, im Scan konnte man dann aber sehen, dass ich die Belichtung dann doch falsch angemessen hatte…. kurz und gut, es ist nicht so geworden, wie ich es haben wollte, deswegen zeige ich es nicht.

wie immer: Klick macht big
in diesem Fall nicht so big, wie es möglich wäre ;)

Am Sonntag ist Fotobörse in Darmstadt. Sollten dort gute und günstige Fachkameras/Großformatkameras angeboten werden, wird es wohl eine kleine Rangelei darum geben, denn auch die anderen Workshopteilnehmer sind vom großen Format besessen und gieren nach einer eigenen Kamera, mit der sie weiter machen können. Ich hab es gut. Ich habe Zugriff auf die Cambo, mit der auch dieses Bild entstanden ist. Aber nichtsdestotrotz träume auch ich von einer kleinen, süßen, handlichen Kamera, die 4×5 Inch belichtet……

Und wenn ich bei Spürsinn bin, dann basteln wir an den nächsten Workshops, die bereits Anfang nächsten Jahres auf dem Plan stehen.

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Es ist nicht der Pinsel, der das Bild malt!

Dienstag, 26. Oktober 2010

Ich könnte den Artikel auch “Fotografie” nennen, aber dann ist die Überschrift ja langweilig.

Jetzt höre ich Euch schon leise aufstöhnen “Nicht wieder die ollen Kamellen!” – sorry, es muss sein.
Dies hier ist mein privater Blog, den ich unter anderem dafür nutze, mir das ein oder andere Ärgernis oder auch die ein oder andere Erkenntnis von der Seele zu schreiben.

Ich denke mal, wir sind uns alle einig – nicht eine Kamera macht das Bild, sie ist nur ein Werkzeug. Das Bild macht der Mensch, der das Werkzeug bedient.
Ich persönlich kann mit analogen Kameras besser umgehen als mit digitalen. Analoge Werkzeuge sind die Werkzeuge meiner Wahl. Ich kann auch besser mit meiner alten, kleinen, gelben Neckerfreund-Bohrmaschine Löcher in Wände bohren als mit einem Monsterbohrhammer. Isso. Und ist auch gut so. Denn mir kommt es auf das Ergebnis an. Und ich mag die Löcher, die meine kleine, gelbe… na, ihr wisst schon. Ich versuche jetzt mal die Kurve zur Fotografie zu bekommen. ;)

Drei Dinge haben mich angetriggert.

Der Stilpirat fragt, ob man Fotografie lernen kann. Ich könnte kurz und knapp jetzt auf seinem Blog mit einem “Ja” kommentieren. Als ich seinen Artikel jedoch heute morgen las, hat das einen Schwall an Empfindungen bei mir ausgelöst.
Man kann Fotografie lernen.
Zum einen als Handwerk. Dafür benötigt man keinen Zugang zu Kunst oder Ästhetik. Auch kein Talent.
Ähnlich wie ein Tischler, der lernt, einen Stuhl zu bauen. Ein Stuhl ist zweckmäßig, er muss nicht schön sein, er muss sich verkaufen, damit der Tischler leben kann.
Ein Stuhl muss nicht, kann aber schön, ästhetisch, künstlerisch gestaltet sein. Ein Foto ebenso. ;)
Wenn also jemand einen wunderschönen Stuhl bauen kann, muss er dafür den Beruf des Tischlers erlernt haben? Oder reicht es, wenn er sich die handwerklichen Fähigkeiten auf sein Talent draufsattelt? Und ist es nicht empfehlenswert, seine Fähigkeiten immer weiter auszubauen, damit er unterschiedliche Stühle schaffen kann?
Im Gegenzug: Muss ein Tischler Talent für schöne Stühle haben um ein zweckmäßiges Sitzmöbel zu bauen? Oder reicht da die handwerkliche Fähigkeit?

Schlussfolgerung meinerseits: Es gibt viele Möglichkeiten, unterschiedlichste Stühle zu bauen. Das Ergebnis zählt.

Martin macht sich (visuelle) Gedanken über den Schritt zur analogen Kamera. In den Kommentaren fällt der Begriff “Kind des digitalen Zeitalters”. Da habe ich kurz kommentiert – aber der Begriff hat mich angetriggert.

Analog rockt. Klar ;) Es ist so schön Retro und man wird auch immer darauf angesprochen, wenn man mit einem Schätzchen ohne Display unterwegs ist. Ich bin die letzte, die da Einspruch erhebt :)
Was ich superklasse finde, ist die Überlegung, die bei Martin hinter seinem Wunsch nach einer analogen Messsucherkamera steht. Er weiß, was er damit machen will und sucht das Werkzeug nach seinem Bedürfnis und seinem Geldbeutel aus. Die “Kinder des digitalen Zeitalters” machen übrigens 80% unserer Kunden bei Spürsinn aus. Die wenigsten wollen aus einer Modeerscheinung heraus analog fotografieren. Immer wieder haben wir Menschen am Telefon, die ganz genau wissen, was sie als Ergebnis haben wollen und dann bei uns nach fragen, wie sie dieses Ergebnis mit welchem Material am besten erreichen können. Da wird munter zwischen digitalem Boliden und Boxkamera, zwischen Ostzicke und Handyknipse hin und her geswitcht. Eine Sache, die mir unwahrscheinlich viel Spaß macht.

Am Wochenende war ich mit Spürsinn auf dem FotoForum Festival in Münster. Wir waren mit dem Stand in einer Ecke mit anderen analog gewichteten Ausstellern untergebracht, räumlich getrennt durch einen langen, sehr langen Gang von allen anderen Ausstellern. Ich hatte ein bisschen das beklemmende Gefühl von “Sippenhaft”. Es hat mich traurig gemacht, dass so wenig Menschen die Chancen einer Vermischung von Werkzeugen und Techniken erkennen. Fotografie sollte nicht in Lagern statt finden, sondern Fotografierende sollten sich gegenseitig befruchten, anregen, helfen. Ein bisschen Schandmaul hier und da gehört dazu ;)

Und das gibt es auch in anderen Bereichen:

Was ist der Unterschied zwischen einem Tischler, einem Zimmermann und einem Maurer?

Der Tischler arbeitet auf den Millimeter genau.
Der Zimmermann auf den Zentimeter.
Und der Maurer muss aufpassen, dass er auf dem Grundstück bleibt.

Und das nächste Mal gibt es wieder Witze über Digitalfotografen, die irgendwas an der Kamera bekleben. Versprochen ;)


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Ei – Knips doch mal

Freitag, 15. Oktober 2010

Als mich Ronald Puhle vor etlichen Wochen fragte, ob ich Lust hätte, ein paar Bilder für sein Buch über iPhone-Fotografie beizusteuern, habe ich, ich gestehe, erst einmal herzlich gelacht.

Mit dem iPhone fotografieren, Kinderkram. Keine Herausforderung für mich. Digitaler Spielkram. Praktisch, um schnell mal fix etwas zu dokumentieren und in Twitter zu schieben. Dachte ich. So oder ähnlich habe ich mich auch Ronald gegenüber geäußert.

Ich hatte gerade erst angefangen, mich halbherzig mit der ein oder anderen App in Sachen Fotografie zu beschäftigen und all das, was kostenfrei angeboten wurde, hat mich nicht wirklich überzeugt. Zu geizig um Geld für digitalen Spielkram auszugeben bin ich außerdem. Von Hipstamatic und anderen, kostenpflichtigen Apps  hatte ich schon gehört, habe aber innerlich abgewunken. Geldschneiderei, Blödsinn, BrauchtkeinMensch.
Ich benutze mein iPhone um zu telefonieren, SMS zu schreiben, zu twittern und mein Auto in fremden Städten wieder zu finden. Fotografieren mit einem Telefon steht hinten an, denn es ist ja tatsächlich so, dass ich immer eine “richtige” Kamera dabei habe.

Nun ist es aber so, dass ich grundsätzlich ein neugieriges Wesen bin. In einem Moment des Leerlaufs, sprich: Kurz vor dem Einschlafen, habe ich mich mangels passender Einschlaflektüre dann doch ein bisschen mit den fotografischen Möglichkeiten meines Telefons beschäftigt. In solchen Momenten bin ich zugegebenermaßen auch schwach (Wer mir also etwas verkaufen will, ich habe gerade den günstigsten Zeitpunkt verraten, mir erfolgreich etwas anzudrehen) und ehe ich wusste, wie mir geschah, hatte ich Hipstamatic aus dem App-Store gekauft. Bezahlt. Also muss es auch genutzt werden.

Ich gestehe, es gefällt mir. Es gefällt mir, mich mit den verschiedenen Möglichkeiten zu befassen, die einem diese App bietet. Es macht mir Spaß auszuprobieren, welche Kombinationen von “Objektiv” und “Film” welche Ergebnisse bringt. Ich bin versucht zu schreiben: “Fast wie im echten Leben”. Und ich schalte ab und an sogar einen “Blitz” zu, was ich normalerweise ja immer verweigere. Inzwischen habe ich noch den ein  oder anderen “Film” dazu gekauft, auch die “Objektiverweiterung” hat Einzug in mein Telefon gehalten.
Ronald hat in der Zwischenzeit sein Buch fertiggestellt und ich weiß nicht, wie er es gemacht hat, aber er hat wohl intuitiv geahnt, dass mich mein iPhone umtreibt und mir ein Exemplar geschickt.

“Apps für iPhone-Fotografen” ist bei Markt & Technik erschienen, ein Verlag, den ich meist links liegen lasse, weil ich eben nicht zu den Menschen gehöre, die Techniklektüre inhalieren können.  Schon gar nicht im Bett, denn ich bin ein haptischer Lerntyp , das heißt, ich muss, wenn ich will, jede Zeile Gelesenes umgehend ausprobieren können. Mit so einem iPhone ist das natürlich kinderleicht, man nimmt es samt Buch mit ins Bett ;) Und kann auch gleich wieder Geld ausgeben, denn ich konnte der Versuchung natürlich nicht widerstehen (siehe oben) mir eine weitere App zu kaufen. iPhone-Laborgepansche mit dem wunderbaren Namen “SwankoLab” – über dem Herumprobieren bin ich glatt eingeschlafen.

In einem meiner früheren Leben habe ich auch den Beruf der Buchhändlerin erlernt. Das ist wohl mit ein Grund dafür, dass ich eine vielleicht etwas seltsam anmutende Herangehensweise an Bücher habe. Nicht lachen, aber an neuen Büchern rieche ich sogar. Ronalds Buch riecht gut. Das Format allerdings will mir nicht so recht gefallen. Man stelle sich vor, mit iPhone und Buch in die Bettdecke gekuschelt, am Herumprobieren und nachlesen und dauernd fällt das Buch zu, weil es zu schmal geschnitten ist. Liebe Leute von Markt & Technik – das ist Käse! Es passt mit dem Format 24×14 nicht in die Hemdtasche, was soll also der Geiz? Ihr habt es aber wieder einigermaßen wett gemacht, weil mir das Layout dann doch wieder sehr gefällt. Übersichtlich und gut strukturiert und für jemanden, der seit ein paar Monaten mit Lesebrille ins Bett geht, mit guter Schrift und klar strukturiert aufgebaut!

Zum Inhalt: Ich gestehe, ich bin ein bisschen drum herum geschlichen. Technikbücher, you know?
Aber ich muss sagen, der Text ist gut geschrieben. Ohne unnötiges Femdsprachfachgequatsche und absolut verständlich, obwohl techniklastig.

Es steht alles drin, was man so braucht, wenn man frisch in der iPhone-Szene herumfotografiert. Angefangen bei “Das iPhone als Fotoapparat” (Boah – was hatte ich Bauchweh, als ich die Überschrift las)  über “Fotos mit dem iPhone bearbeiten” bis hin zu “iPhone-Fotos weltweit teilen”. Und immer schön mit Tipps und Tricks versehen, so mag ich das :)
Viele bunte Bilder  finden sich auch und, was ich besonders schön finde, unterschiedliche Statements von Menschen, die sich nicht schämen, mit dem iPhone zu fotografieren! Deren Bilder finden sich natürlich auch und sie sind wunderbar unterschiedlich!

Die etwa 230 Seiten habe ich nicht alle gelesen, bestimmte Sachen interessieren mich nun einmal (noch) nicht, ich habe mir die Kapitel herausgepickt, die mir für meinen Fall am interessantesten erschienen. Und auch das geht – ich werde also nicht gezwungen, das Buch von vorne bis hinten, Buchstabe für Buchstabe zu lesen um zu kapieren. Deswegen hat das Werk einen festen Platz in dem Stapel neben meinem Bett gefunden.
Der Schnelllebigkeit des Mediums wurde auch Tribut gezollt, Ronald hat einen Blog eingerichtet, der das Buch quasi updatet.

Fazit: Mag ich, empfehle ich ;)

Großansicht

Ronald Puhle

Apps für iPhone-Fotografen

Fotografie und Bildbearbeitung

ISBN: 978-3-8272-4671-4
240 Seiten – 4-farbig
erschienen 28.9.2010

€ 19,95 [D]

Das gibt es auch als E-Book – ich mag ja lieber Papier.

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