Fingerübungen

Die Sache mit dem Emulsionslift lässt mich nicht mehr los.
Die ersten Ergebnisse entstanden noch mit unterschiedlichen Werkzeugen, begleitet von  lautem Fluchen und dem schmerzhaften Verlust etlicher Bilder, weil das unzureichende Werkzeug eben diese rettungslos zerstörte. Jetzt nähere ich mich einer Arbeitsweise, die richtig Spaß macht und den Ergebnissen, die ich haben will.

Aber von vorn.

Die Anfänge lagen im Gedanken  “es muss doch auch mit den Filmen von Impossible Project möglich sein”. Wer  nicht weiß, wovon ich rede, dem sei diese
wunderbare Anleitung als Video ans Herz gelegt. Es bringt ein bisschen nahe, was Emulsionslift eigentlich ist und wie man es ungefähr macht.
Allersings gibt es einen großen Unterschied zu dem, was ich in den letzten Wochen so getrieben habe: Im Video wurden Trennbildfilme von Polaroid benutzt.
Ich aber will ja Emulsionslifts mit Filmen von Impossible Project machen, und die sind Integralfilme, keine Trennbildfilme.
Die ersten Versuche des Liftens endeten in der Erschaffung komischer, braungrauer Klümpchen. Also zurück auf Start und alles noch einmal durchdacht und probiert.

Es ging los mit der Suche nach der richtigen Wassertemperatur. Zu heiß ist schlecht, weil man mit den Fingern hinein greifen muss, zu kalt führt dazu, dass sich die Emulsion nicht richtig löst.
Die ersten Versuchspinsel wurden der Brut aus dem Schulregal gemopst und erwiesen sich als störrisch und zerstörerisch. Mal abgesehen davon, dass man sie nur einmal benutzen konnte – dann hat man sie nämlich  nicht mehr sauber bekommen.
Die Erkenntnis: die Emulsion von Impossible Project ist sehr viel zarter als die Emulsion, die Polaroid für ihre Trennbildfilme verwendete und die richtigen Pinsel bekommt man nicht im Bürobedarfsladen um die Ecke.

Gleichzeitig begann die  Jagd nach dem richtigen Papier. Da das Papier nass gemacht werden muss, um diesen Hauch von Emulsion aufzubringen, ist es wichtig, dass es sich nicht auflöst. Außerdem sollte es sich ja auch mit der Emulsion verbinden, denn nachträgliches Kleben funktioniert nicht. Klebstoff frisst Kunstwerk.

Bis alle Hürden genommen waren, ging ein Sofortbild nach dem anderen den Weg in den Mülleimer.
Zusammen mit Spürsinn habe ich versucht, getestet, gemacht, getan, geflucht, gelernt, gerätselt und gejubelt. Und jetzt ist es geschafft.

Ich habe wunderbare Pinsel, die genau nach meinen Anforderungen hergestellt wurden und ich habe zwei Sorten Papier, die sich mit der Emulsion verbinden und nach dem Trocknen auch wieder glatt werden. Hach.

Klick macht big

Film: PX100
Kamera: Polaroid 2000
Motiv: Leuchtturm Pilsum
Papier: Smooth White
Pinsel: Lift it

mehr Information bei Spürsinn


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8 Antworten zu “Fingerübungen”

  1. Martin @ zirkusrandale Sagt:

    Mensch, ich bin ja seit jeher der digitale Knipser/Frickler, aber das…
    das hat echt genug analoge “Frickelei” um zu überzeugen. Musste mir das Ergebnis erstmal 2 Minuten ansehen und nachdenken ;) Nu weiß ich, dass ich mich irgendwann, mit ner Menge Zeit, auch dem analogen Abenteuer stelle.
    Für mich muss immer Technik mit drinstecken und heute hab selbst ich begriffen, dass hier mehr davon drinsteckt als im gesamten digitalen Workflow.
    Danke für den Denkanstoß und viel Erfolg bei weiteren Experimenten,
    Martin
    PS: Klasse Text zu den Blogvermarktern! Das sollte jeder peilen ;)

  2. Tilla Sagt:

    Es ist Frickelei und bedarf durchaus der Übung ;) Aber wenn man es dann raus hat – wunderbar!

  3. Martin @ zirkusrandale Sagt:

    okay, wenn du schon ne Menge “Lehrgeld im Mülleimer” gelassen hast, würde es sich für´s Impossible Project ganz sicher lohnen ne Filliale in Wuppertal zu eröffnen bis ich den Dreh raus hab ;)

  4. Tilla Sagt:

    Martin – bei mir sind so viele Bilder erstmal im Müll gelandet, weil ich mitgeholfen habe, das richtige Werkzeug zu kreieren ;) Wenn man das aber von Anfang an hat, kommt man schnell hinter den Dreh. Und das Schöne an den Lifts ist ja, dass sie unbeschädigt fast schon langweilig aussehen – der Charme liegt im Knittern, Falten und in den Rissen, die ich selbstverständlich alle mit Absicht setze! Jetzt! ;)

  5. Martin @ zirkusrandale Sagt:

    na logo! – und jetzt ist auch der Groschen mit der Pinselentwicklung gefallen

  6. Thomas Widmer Sagt:

    Also ich hatte da keine Schwierigkeiten. Hat auf Anhieb geklappt – auch mit normalem Pinsel (gut er muss schon sehr fein sein). Als Unterlage habe ich Aquarellpapier verwendet. Etwas Geduld braucht es auf jeden Fall – aber ich bin auch sonst derjenige welcher zuständig ist für Dinge wie Mehl rösten oder Zucker karamelisieren ohne dass etwas anbrennt… ;-)

  7. Martin @ zirkusrandale Sagt:

    Mehl rösten – klingt irgendwie geil *g*

  8. Tanja Sagt:

    *hüstelt*
    Ich krieg das diese Woche noch hin. By the way habe ich 4 höchst interessante Fake-Fast-Lifts produziert, die ich heute Abend einscannen werde. Und Danke noch einmal für die nette Hilfe. *umärmel*
    :o )

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