Quick & Dirty
Nachdem es anscheinend jetzt Kult wird, “unbearbeitetes” Material zur Schau zu stellen, will ich auch mal.
Klick macht big
Okay – ich habe geschummelt. Ich habe nämlich folgende Bearbeitungen gemacht:
- Ich habe mich entschieden, die Pentax MEsuper mit dem 50/1.4 zu verwenden
- Ich habe wohlüberlegt einen Spürsinn U125 eingelegt
- Ich habe durch den Sucher geschaut, den Bildausschnitt gewählt, mich für die Blende entschieden und fokussiert
- Ich habe ausgelöst
- Ich habe den fertigen Film in Spürsinn HCD gebadet und mir natürlich die Entwicklungszeiten überlegt
- Ich habe ihn nach dem Trocknen gescannt
- Ich habe Gimp aufgerufen und ein paar Fussel weg gestempelt
- Ich habe mein Bildbearbeitungsprogramm überredet, die ganze Datei zu verkleinern und als JPG zu speichern.
Und?
Übrigens mache ich selten mehr. Nicht, weil ich es nicht kann, sondern weil ich zu faul bin. Hier ein bisschen am Tonwert gedreht, dort mal in die Gradation geschaut und gut ist es. Unterschiedliche Interpretationen eines Bildes interessieren mich nicht, ich gehöre zu denen, die wissen, welches Material und welches Werkzeug annähernd das Bild entstehen lassen, das ich im Kopf habe. Deswegen weiß ich, wie mein Bild aussehen soll, mache es so und muss keine zig Variationen davon stundenlang mit der Maus traktieren.
Aber das ist meine Art zu arbeiten.
Tags: 125ASA, analog, avaiable light, Fotografie, schwarz/weiß, Spürsinn HCD, Spürsinn U125


02. März 2010 at 19:03
Hui, sieht stark aus ! Welche Blende hast du denn hier gewählt ? Ganz offen ist das nicht oder ?
02. März 2010 at 19:06
ui … tilla ist in aneck-laune.
um auch mein fett weg zu bekommen: ja, ich probiere sehr gerne varianten aus … was meine gewählten kameraeinstellungen und die rohdaten hergeben. aber nicht um jeden preis … als kleine entschuldigung hinterher geschoben
02. März 2010 at 19:23
Wie jetzt – Du hast ausgelöst? Ja nee, Tilla, das geht in Sachen Bearbeitung echt zu weit, neeneenee…..
02. März 2010 at 19:39
@franker69 Doch, das ist offen. Ganz offen
@kampffussel Du musst Dich doch bei mir nicht für Deine arbeitsweisen entschuldigen! Hömma!
@Christian Ich schäme mich ja auch schon ganz dolle. Soll ich Dir mal die geilen Bilder zeigen, bei denen ich nicht ausgelöst habe? Guck mal hier: und hier:
02. März 2010 at 19:47
@Tilla: Ja, so ist das deutlich besser, dieses puristische
02. März 2010 at 21:29
*rofl*
(Weißte, für sowat lieb ick dir ja…
)
02. März 2010 at 21:37
MeSuper mit 50 1.4. Schon gemogelt. Hast Du nicht noch eine Lochkamera, ein wenig Ei und Silberlösung?
02. März 2010 at 23:38
Hello,
Pentax ME ist super! (; Das Foto auch.
03. März 2010 at 00:38
weißt Tilla, schlimm finde ich, dass man scheinbar – mittlerweile – dazu schreiben muss, wenn ein bild unbearbeitet ist.
03. März 2010 at 08:17
@Renee
Sondern darin, gute Bilder zu machen. Das vergessen viele Leute.
Die Kunst der Fotografie besteht nicht darin, Bilder nicht zu bearbeiten
@Michael (R.)
Nee, gerade nicht zur Hand. Ach je, ach je, was mach ich nun.
03. März 2010 at 10:53
Ich halte die ganze Bearbeitungsdebatte für überflüssig. Der Weg von der realen Szene bis zum Bild ist lang und kompliziert. Emittiertes und reflektiertes Licht der Szene fällt durch die abbildende Eigenschaft eines Objektivs (oderLochs) auf eine lichtempfindliche Fläche. Dort wird entweder physikalisch, elektronisch gezählt oder chemisch Keime erzeugt. Die Daten bzw. Keime werden über sehr komplizierte Wege in ein Bild umgewandelt.
Die Umwandlung hängt von Dutzenden von Parametern und Einflussfaktoren ab. Unkenntnis, Einschränkung oder Ingnorieren der Parameter lässt sie aber nicht verschwinden – es gibt so gesehen keine unabearbeiteten Bilder. Die Frage ist also eher inwieweit dem Fotografen der Gesamtprozess bewusst ist.
Mit (PS)-Bearbeitungen, Kameras, Filmen, Chemie, Chipeigenschaften zu experimentieren ist sehr hilfreich die unterschiedlichen Prozesswege bewusst zu bekommen.
03. März 2010 at 12:09
… Jetzt nochmal ernsthaft: Was sollen denn diese alten Grabenkämpfe? In der Fotografie gab es schon immer die Ingeneure, die auf der technischen Seite die Grenzen und Möglichkeiten ausgelotet und Erweitert haben. Unzählige Fotografische Verfahren, Edeldrucke etc. gäbe es ohne die experimentelle Nachbearbeitung nicht.
Es gab aber immer auch schon die Anwender auf verschiedenen Ebenen, vom Kinpser mit Drogeriemarktabzügen bis zum Profi mit Standardlabor, die sich um die Nachbearbeitung selbst nie Gedanken gemacht haben. Und es gab immer schon die Drittverwerter, die aus bestehendem Bildmaterial mittels Nachbearbeitung neues schufen.
Das Experiment auf Hilfsmittel zu verzichten ist von dem her nicht ganz dumm, nur so kommen Problemstellugen wieder in den Fokus und es gibt vielleicht neue Lösungsansätze dafür, in der eigenen Arbeitsweise oder als verallgemeinerbares Verfahrne. Ob Displayabkleben da jetzt eine echte Weiterentwicklung anstößt würde ich bezweifeln.
Aber andere Experimentalstudien, von der Strumpfhose am Glas bis zur Lochkameralinse, vom Tiltshift bis zum selbstgebauten Diffusor, das alles sind legitime Versuche die eigenen Limitationenauszuloten und zu erweitern. Und wenn dabei noch was sinnvolles für andere rauskommt, im Sinne eines instructables, hey super.
Wie man das dann redaktionell aufbereitet ist wieder eine andere Frage und das uns alle die Kopfnickergemeinde aufregt, die dem großen Priester längs und querfeldein huldigt…. naja, wer hätte nicht nocht Helmut, Helmut Sprechchöre im Kopf, die uns 1990ff. den Magen umgedreht hätten?
03. März 2010 at 19:31
@abby … es mag richtig sein, daß der Weg von der erkannten Szene bis zum fertigen Bild lang, kompliziert und schwer ist. Wer sich permanent mit der Fotografie befasst, wird dies nicht so empfinden, weil er weiß, was er auf diesem Weg alles “erledigt”, um das “einmalige” Bild dann am Ende des Prozesses zu erlangen. Störend hierbei sind nur diejenigen, die ständig und mit Begeisterung nach Abkürzungen suchen und dies dann auch noch als Weisheit letzter Schluß ins Land posaunen.
Ein unbearbeitetes Bild ist einfach nur Rohmaterial. Da geht kein Weg dran vorbei. Natürlich kann es auch eine Lebensweise sein, nur rohes Fleisch zu essen
@Michael (R.) … ich sehe in keiner Weise Szenen der “alten Grabenkämpfe” hier wogen. Ganz im Gegenteil! Hier wird gezeigt, um was es in der Fotografie alles gehen kann. Du hast dies sehr richtig auf den Punkt gebracht und untermauert. Es gibt von den Drogerie-Billigabzug bis zum goldgetonten Baryt-Abzug eine breite Spanne, die niemals unter einen Hut passt, also auch nicht in gleichstimmigen Jubelchören besungen werden kann.
Der Vergleich mit experimenteller Fotografie und Ausarbeitung heftig hinkt. Selbst wenn ich dem Konzept verfalle, Negative mit der Drahtbürste zu bearbeiten, habe ich einen schöpferischen Prozess durchlaufen, der sich vom Konzept “rohes Fleisch” (siehe oben) recht weit entfernt. Wenn ich aber glaube, alleine durch Verweigerung einer Technik etwas Neuartiges zu finden, dann habe ich den Gesamtprozess nicht verstanden. Rohes Fleisch ist nicht neu. Einzig kann der Mut bewundert werden, rohes Fleisch zur Schau zu stellen.
Neues, gutes Stichwort: Mut. Oft kokettieren Fotografen mit dem “da ist nüüüüx gemacht” und beweisen oberflächlich Mut. Ich weiß nicht, wozu das Ganze nutzen soll. Natürlich, in dem Moment, wenn ich z.B. ein bisher unbekanntes Filmmaterial “vorführe”, kann ich das nur sinnvoll machen, wenn nicht viel dran gemacht wurde. Wohl gemerkt, NICHT VIEL (ups, ich schreie *lach*). Wir alle müssen anerkennen, daß die Umsetzung von einem Medium auf ein anderes schon eine Bearbeitung darstellt. Übrigens trifft das auch auf einen rein digitalen Workflow zu. Manchmal habe ich das Gefühl, die “nüüüx gemacht”-Fotografen versuchen eine Art Schutzmechanismus zu aktivieren, der vor herber Negativkritik schützen soll.
Die ganze Diskussion erinnert mich gewaltig an “Zuckungen” von militanten Lomografen. Es ist noch keine 5 Jahre her, da wurde eine (aus meiner Sicht blödsinnige) These aufgestellt, daß echte Lomografen niemals durch den Sucher einer Kamera schauen und deshalb wurde gefordert, den Sucher abzuschaffen. Hääää? Ich stelle mir jetzt vor, daß die Hersteller von Digitalkameras ein Displayverbot bekommen und evtl. auch den Sucher weglassen müssen. Ganz im Ernst, es gibt immer weniger Digital-Fotografen, die in den Sucher schauen. Ich kenne selbst einen Profi, der setzt seinen Digi-Hammer auf ein Stativ und löst fern aus. Bilder rasseln wie geschnitten Brot auf den Chip und alles ist gut. Ist das innovative Fotografie? Naja, ich kenne zündendere Ideen, zumal der Autofokus sowieso … ach, lassen wir das.
Worum geht es denn eigentlich? Es geht um Jubelperser und Huldigungspriester. Ich habe viel Verständnis dafür, wenn sich auf dem Weg zur Neufindung die eine oder andere Schnapsidee ihren Weg bahnt. Aber dies dann als Weisheit letzter Schluß zu verkaufen, ist mehr als seltsam … Helmut, Helmut …
03. März 2010 at 20:54
@Michael K. … mir gings um etwas anderes und habe es nur unglücklich formuliert. Die Keime in einem unentwickelten Negativ sind sicher Rohmaterial (weil noch nicht sichtbar) aber selbst diese Keime haben schon ein Stück Prozess hinter sich (z.B. Filmwahl) der nächste Schritt die Wahl des Entwicklers, Temperatur und Zeit hat ggf. dramatische Auswirkungen auf das potentielle spätere Bild. Dann gehts an Ausbelichten, Papier und Gradationswahl beeinflussen das Ergebnis, da reden wir noch nicht mal über Nachbelichten, Abwedeln und ähnliches. Das sind alles Bearbeitungen. Selbst wenn ich das nackte (Großformat)Negativ aufziehe und aufhänge ist es doch schon bearbeitet – oder? Ich würde nur das latente (nicht sichtbare) Bild als Rohmaterial bezeichnen. Es ist eine individuelle Entscheidung jedes Fotografen welche Bearbeitungskette er wählt und an welcher Stelle Stelle der Kette er aus dem Prozess aussteigt. Was für den einen ein Zwischenergebnis ist, ist für den anderen das Endprodukt – so what
Das meine ich ganz wertfrei jeder soll auf seine Weise glücklich werden oder sein Publikum finden.
Ich persönlich versuche eher wenig aktiv zu berarbeiten und konzentriere mich eher auf das Verständnis der gesamten Kette – das ist halt meine Marotte
03. März 2010 at 22:29
Sich bereits vor dem Fotografieren dazu zu entschließen, die digitalen Bilder nicht zu bearbeiten, ist für mich wie wenn man sich blind einen zufälligen Film aus dem Vorrat zieht, in die Kamera legt und damit fotografiert und ihn anschließend ins Großlabor zum Entwickeln und Abzüge machen lassen gibt.
Für mich gehört die Bearbeitung der Bilder fest zum Prozess der Fotografie. Viele – ich nenne sie mal Kunden (auch wenn ich in der Regel ohne Entgelt und oft auch ohne direkten Auftrag fotografiere) – erwarten, dass die Fotos quasi sofort fertig sind, ist ja alles digital (ich beschränke mich jetzt mal darauf). Den meisten würde es sogar genügen, wenn ich die RAW-Bilder mit der Standardeinstellung in JPEG konvertieren würde oder gleich in JPEG fotografieren würde. Allerdings genügt das bei weitem nicht meinen persönlichen Qualitätsansprüchen und meiner Verantwortung als Fotograf. Meine Bilder sind erst dann fertig, wenn ich zufrieden bin damit, unabhängig davon, ob sie viele oder wenige Bearbeitungsschritte hinter sich haben.
PS: Kann mich bitte mal jemand über diesen “Helmut” aufklären? Ich bin wohl noch zu neu in der “Szene”. Oder zu jung?
04. März 2010 at 06:49
@Moondragon … dieser Helmut hat nichts mit der Szene zu tun, Helmut “Rekordeinheitskanzler im Osten mit Sprechchören gefeiert” Kohl
04. März 2010 at 09:41
@aebby Achso, ja dann… Aber das “zu jung” stimmt: Baujahr ’85. Bin außerdem in der südlichen Ecke der Republik aufgewachsen.
04. März 2010 at 11:02
@Moondragon: Ja, dann hast Du das, was Helmut die Gnade der späten Geburt genannt hätte. Nach der Maueröffnung wurden HD Genscher und DR h.c. Kohl von den Massen bejubelt und von der B-Zeitung in den Himmel geschrieben. Die Union hat darauf völlig unnötig eine Wahl gewonnen und seitdem werden die Wahlen im Osten entschieden. So ist das mit dem Helmut. Und die Menschen sind seitdem nicht reflektierter geworden und jubeln immer noch fröhlich jedem zu, der nur genug Publicitywirbel macht. Eigenständiges Denken wird in dieser Republik seitdem nur noch im Untergrund praktiziert, die Adepten des eigenständigen Denkens machen sich schnell unbeliebt bei den Jubelpersern (wunderschöner Begriff)
04. März 2010 at 14:18
@Aebby, das hab ich jetzt verstanden. Jepp, damit kann ich hervorragend leben
@Moondragon, Du hast ein wichtiges Fragment in die Runde geworfen: Verantwortung des Fotografen! Genau das ist es! Wir machen nicht Bilder um der Bilder Willen. Ein Bild ist mehr als nur eine Ballung von Pixel, Kernen oder Körnern. Ich denke, ein Maler würde nie auf die Idee kommen, sich über die Zusammensetzung seiner Ölfarbe zu definieren. In der Fotografie wird das (leider) häufig gemacht *seufz*
06. März 2010 at 13:49
@Michael … der Satz
<blockquote>
ein Maler würde nie auf die Idee kommen, sich über die Zusammensetzung seiner Ölfarbe zu definieren.
</blockquote>
ist perfekt und bringt die ganze Debatte auf den Punkt.