Das blaue Wunder
Montag, 25. Juli 2011Cyanotypie lässt mich nicht mehr los. Zu faszinierend finde ich die Möglichkeiten und Varianten, die mir bei diesem Edeldruckverfahren zur Verfügung stehen. Ich durchforste meine Negative nach geeigneten Bildern, die ich groß und blau haben will.
Ich habe ja schon erzählt und gezeigt, wie ich Negativstreifen in die Sonne gelegt habe. Grundsätzlich ist das eine schicke Sache, auf Dauer allerdings unbefriedigend und für meinen Geschmack definitiv zu klein. Ich wollte größer. Die meisten meiner Negative liegen mir in digitaler Form vor, zumindest immer dann, wenn ich zum Scannen komme.
Die ersten Versuche, ein digitales Bild zu vergrößern und auf einen Träger zu bekommen, der mir das Negativ ersetzt, fanden auf einer Folie statt, die ich durch den Tintenpinkler Tintenstrahldrucker geschickt habe. Nichts für mich, da die Folie unbedingt noch recht lange trocknen muss, ehe man sie verwenden kann. Dafür bin ich viel zu ungeduldig. Mal ganz abgesehen davon, dass das ein sehr teures Vergnügen ist und die Ergebnisse mich nicht wirklich überzeugt haben.
Der nächste Versuch fand mit einer Art Butterbrotpapier statt, das uns unser Papierhersteller genau zu diesem Zweck zum Testen schickte und siehe da, der Ausdruck war sofort trocken, das Ergebnis ganz wunderbar, das Papier hat den Test bestanden und wird als “Spürsinn BluePrint” ins Programm aufgenommen.
Ich hatte mir absichtlich ein sehr kontrastreiches Negativ ausgesucht und in einem Bildbearbeitungsprogramm die Gradationskurven etwas steil angezogen. Dann die ganze Geschichte invertiert und passend für ein DIN A4 Blatt “Noble Vat Large” skaliert.
Das Ganze wurde mit einem stinknormalen HP Photosmart D5460 auf “Spürsinn BluePrint” ausgedruckt. Bereits ein paar Stunden vorher hatte ich ein “Noble Vat” in DIN A4 mit der Emulsion für Cyanotypie beschichtet. Fräulein Ungeduld saß mir auf der Schulter, deswegen war das beschichtete Papier noch nicht 100% trocken als ich es aus dem dunklen Karton holte und zusammen mit dem neu geschaffenen “Negativ” zwischen zwei Glasplatten legte.
Der Sommer lässt uns ja gerade ein bisschen im Stich, gepriesen sei also die elektrische Sonne
8 Minuten Belichtung vor dem Gesichtsbräuner, dann das übliche Prozedere. Stoppen, Wässern und zum Schluss das Zaubermittel Wasserstoffperoxid.
Klick macht big
Die “Flecken”, die ich bei diesem Bild als durchaus passend empfinde, sind entstanden, weil die Beschichtung noch nicht ganz durchgetrocknet war. Das Erscheinungsbild kann man also nicht nur durch die Wahl der Pinsel, mit denen man die Cyano-Chemie aufträgt und durch die Wahl des Papiers beeinflussen. Da gibt es noch viele andere Möglichkeiten, mit denen man herumspielen kann
Spannend ist, dass man mit diesem Verfahren auch Bilder, die rein digital entstanden sind, verarbeiten kann.
Einen Workshop dazu gibt es auch, noch sind ein paar Plätze für den 14. August frei.
Musik: Rainbirds-Blueprint
Chemiepaket: Cyanotypie
Pinsel im Einsatz: scruffy face
Transparentpapier: Spürsinn BluePrint
Büttenpapier: Noble Vat Large
Ein bisschen mehr erklärt: Cyanotypie im Plauderton

