Und es begab sich zu der Zeit dass mutige Mannen nach Enschede zogen, in dunklen Ecken alchemistisch zu werkeln begannen, altehrwürdige Maschinen wieder ins Leben und Laufen brachten, einzig mit dem hehren Ziel neue Filme für die legendären Kameras der Kunst- und Sofortbildszene zu schaffen.
Und plötzlich war es so weit. Ich hielt ein Testpäckchen des PX 100 First Flush in den Händen und ich gestehe, anfangs habe ich mich davor gedrückt, die SX-70 damit zu laden.
Die Diskussionswellen im weltweiten Netz schlugen zu diesem Zeitpunkt schon sehr hoch. Auf der einen Seite wurde von einer Sensation gesprochen, auf der anderen von Verarschung der Käufer. Dazwischen gab es recht wenig Stimmen. Und wie es so ist mit dem menschlichen Hirn, die negativen Aussagen haften besser und länger…. ich war also voreingenommen und misstrauisch.
Als dann der Trout am Wochenende kam, haben wir uns einfach gemeinsam über alle Vorurteile hinweg gesetzt und die SX-70 mit dem Film beladen. Ich habe alle Warnungen und Mutmaßungen aus meinem Kopf gekehrt, bin auf den Balkon gegangen und habe in grell strahlendem Sonnenschein mit Normaleinstellung das erste Bild gemacht. Das Geräusch der Kamera, die mit ihrem so typischen Surren das Sofortbild ausspuckt war bereits ein erstes Highlight.
Das Bild allerdings kann ich Euch nicht zeigen, aus der Kamera kam nichts, was man guten Gewissens als Bild bezeichnen könnte. Was sich dort schemenhaft und leicht sepiagetönt in meiner Hand jedoch abzeichnete, erzählte ganz klar eine kleine Geschichte.
“Ich bin eine kleine Mimose. Wenn Du mich draußen bei hellem Sonnenschein einsetzen willst, dann achte darauf, dass Du die Belichtung nicht in den Schatten nimmst. Sei nach dem Auslösen nicht so neugierig, ich bin nicht, wie meine Vorgänger in den Werbespots immer behaupteten, bereit mein Ergebnis sofort zu zeigen. Beweise mir Deine Geduld und steck mich gleich an einen dunklen Ort, am besten für die ersten zwei, drei Minuten, damit meine Chemie die Chance hat, ungestört ihr Werk zu tun. “
Gut. Also der nächste Versuch an der offenen Balkontür, die Einstellung an der Kamera wieder auf normal.

Klick macht big
Aha. Es geht also doch. Ich begann den Film zu mögen. Ihr mögt jetzt sagen, dass das Bild unscharf, verfusselt und überstrahlt erscheint – ich mag diese Unschärfe, ich bearbeite keine Pola-Scans und ich finde diese Lichtsäume ganz zauberhaft.

Klick macht big
Natürlich hat es mich nach diesen Ergebnissen wieder raus auf den Balkon getrieben, es musste doch möglich sein, auch im strahlenden, gleißenden Licht ein Bild hervorzuzaubern! Die Hell/Dunkeleinstellung an der SX-70 habe ich hier 4 Striche nach dunkel gedreht.
Klick macht big
Die schwarzen “Flecken am oberen Bildrand sind Schatten von einem einsamen Socken und einer Mütze auf der darüberhängenden Wäscheleine
Nun hatte es den Trout gepackt, für die nächsten zwei Bilder habe ich ihm die Kamera überlassen.
Die letzten beiden Bilder sollten dann mit etwas mehr Bedacht und ein bisschen mehr Inhalt gestaltet werden. Mein Wochenendbesuchsmodell war zu allen Schandtaten bereit und hüpfte in die Badewanne, über der das Fenster ist. Die Hell/Dunkel-Einstellung habe ich hier wieder auf Normalposition gedreht.

Klick macht big

Klick macht big
Fazit: Der PX 100 ist ein Film, der sich lohnt. Er hat einen ganz eigenen und speziellen Bildausdruck, trotzdem trägt er die Handschrift des Fotografen. Obwohl wir hier über einen Sofortbildfilm reden, darf man nicht hektisch und unbedacht mit ihm umgehen. Ich habe bei allen hier gezeigten Aufnehmen das Bild sehr schnell in einer dunklen Innentasche meiner Jacke verschwinden lassen. Obwohl ich mir wirklich etwas bescheuert vorkam, mit einer Jeansjacke im Badezimmer zu fotografieren, es hat sich gelohnt. Der Film mag diffuses Licht, man kann ihn aber auch im strahlenden Sonnenschein verwenden, wenn man einfach daran denkt, die Helligkeit ein wenig an der Kamera herunter zu regeln. Sinnvoll ist es für diesen Fall auch, den Ausgabeschlitz an der Kamera abzuschatten. Ich habe einfach das Vorblatt mit einem Klebestreifen über dem Ausgabeschlitz befestigt, das Bild kam also wie unter einem Sonnenschirm aus dem Schlitz um dann in die Innentasche meiner Jacke zu wandern.
Ich habe hier den “First Flush” getestet. Am Wochenende bekomme ich hoffentlich ein Testpäckchen der zweiten Charge, die ein wenig verbessert werden sollte – wir werden sehen.
Aufgrund meiner Erfahrungen bietet Spürsinn den PX 100 von Impossible mit einem lichtdichten Beutel an, der jedem Film bei liegt, es hat ja nicht jeder eine Jeansjacke mit großen Innentaschen