Von Autos und vergangenen Tagen

Damals…

Als ich im Winter 1982 den Auto-Führerschein machte, fuhr ich noch eine Vespa. Eine PX 80, knallrot mit echt ganz schön viel Chrom. Auto war nicht nötig. Meinte Papa. Es gab ja zwei Autos in der Familie, einen Renault R 20, den ich selbstverständlich niemals nicht fahren durfte, und den R5, den ich mir nun mit Mutti teilen durfte. Also, für den Fall, dass ich mal 4 Räder brauchte. Dringend.
Disco war nicht dringend. Frisur überbewertet. In den 80igern. Muss man sich mal vorstellen.

Mein erster Schatz

Es dauerte also nicht lange, bis ich auf die Plünderung des großelterlichen Sparbuchs bestand und recht bald einen eigenen R5 mein eigen nennen durfte. Dunkelblau metallic, wie der von Mutti. Zwecks optischer Unterscheidung bekam mein Wägelchen selbstgebaute Boxen auf die Hutablage. Knallrot. Der Weg in die Disco war geebnet, die Frisur nicht mehr durch das Tragen eines Helms ruiniert und hey, man konnte sogar noch mindestens 5 Freunde mitnehmen! Wir wohnten auf dem Dorf und nach Kiel waren es locker 20 Kilometer. Mit so einem Auto ein Witz und sobald man die einschlägigen Parksituationen kannte, unschlagbar.

Ein Herz für Franzosen

Der kleine Renault brachte mich auch nach Paris. Ganz allein.
Ich war jung und arm und brauchte jeden Pfennig fürs Benzin, da war gar nicht dran zu denken, Geld in eine Landkarte zu investieren. Musste auch ohne gehen. Ich suchte mir also nach dem Grenzübertritt einen Franzosen mit Pariser Kennzeichen und fuhr ihm hinterher. Hat prima geklappt. In Paris zu fahren hat auch prima geklappt. Seitdem kann ich Kreisverkehr. Und das ziemlich hervorragend. Der Rückweg nach Schleswig-Holstein war auch recht unproblematisch, 14 Kilometer vor Kiel musste ich den Reservekanister leeren. Hosentaschen gab es nicht mehr zu leeren. Pleite, aber glücklich.

Die Trennung

Wir haben uns nicht freiwillig getrennt, der kleine Renault und ich. Erst hatten wir einen fiesen Unfall und dann stellte sich heraus, dass irgendwas mit den Achsen… ich weiß es nicht mehr. Der Abschied war plötzlich und traurig. Papa brachte ihn zu seinem Franzosendealer, um untenrum mal nachschauen zu lassen und kam ohne ihn zurück. Auch die knallroten Boxen waren plötzlich weg. Der Kleine ist den Weg in die Schrottpresse gegangen, ohne dass ich mich verabschieden konnte. Dass die Boxen auch weg waren, habe ich meinem Vater viele Jahre übel genommen.

Alles danach

Nach dem R5 kam ein alter Postkäfer. Dunkelblau überlackiert, Baujahr 1963 mit 6-Volt-Batterie. Der Tacho ging nicht mehr, aber man konnte ihn prima nach Gehör fahren. Der Käfer verließ mich dann im kalten Braunschweiger Winter. Er sprang grundsätzlich nur an, wenn man es ausgerechnet mal nicht eilig hatte. Nicht so dolle, wenn man morgens pünktlich in der Schule sein musste.
Zu dieser Zeit lief uns ein quietschgelber R4 zu – ein WG-Auto wurde uns geschenkt. Irgendwann verbot man mir, mit dem gelben Teil zu fahren, weil ich im 8. Monat schwanger war und das Bodenblech auf der Fahrerseite es einem ermöglichte, die Asphaltstruktur der Braunschweiger Straßen zu erforschen. Papa hatte schon immer gesagt, dass Renault schon im Katalog rostet. Aber ich mochte sie. Ganz lange.
Mit Baby und neuem Wohnort wurde das nächste Auto dann wieder ein R5. Ganz in weiß. Bis ich im tiefsten Odenwald einen herrschaftlichen Torpfosten aus Sandstein rückwärts anrumste. Seitdem hatte der Kleine eine knallrote Heckklappe. Ehrlich, ich habe und hatte nie eine Leidenschaft für knallrot, isch schwör! Das ist immer nur so passiert.
Der R5 wurde mit dem zweiten Kind in einen R18 getauscht. Danach war Schluss mit den Franzosen. Es folgten zwei Kadett (die ich nicht so sehr mochte), ein Passat Kombi, eine Toyota Celica, ein Volvo 850. Alle mit ohne was rotem. Und alle gebraucht und relativ betagt. Die Celica mochte ich sehr, der Volvo wohnt hier immer noch.

Warum das alles?

Ich habe lange nicht mehr an meine Kraftfahrzeuge gedacht. Und dann kam Sandra Schink und hat auf Facebook die Frauen nach ihren ersten Autos gefragt. Unter #myfirstCar sammelt sie weiter und weiter und weiter (Ähnlichkeiten mit einer bekannten Werbung für Autos sind rein zufällig) – schaut auf ihr Blog und habt Spaß.
Ich fahre inzwischen mehr Fahrrad als Auto. Nichtsdestotrotz hätte ich aktuell keine Antwort auf die Frage „Wie soll Dein nächstes Auto sein“, zu sehr hänge ich an dem Schweden.

Ein Kommentar zu “Von Autos und vergangenen Tagen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.