Der unbekannte Fotograf (Teil 5)

Heute einfach mal ein Zwischenstand und die Ankündigung, dass ich vorerst nicht mehr über den unbekannten Fotografen bloggen werde… es haben sich inzwischen so verschiedene Stränge herausentwickelt und es braucht viel Zeit und viele E-Mails hin und her, um Dinge in den richtigen Bahnen weiterzuverfolgen.

Mich erreichen viele Reaktionen per E-Mail, auf Facebook, per Twitter…. und unterschiedlicher können die Informationen nicht sein 🙂 Das hat mir gezeigt, dass ich zwar weiterhin spielerisch an die Sache heran gehen darf, aber doch mit einer weniger emotionalen Sicht darauf schauen muss. Außerdem ist der Ehrgeiz erwacht, tatsächlich herauszubekommen, wer der unbekannte Fotograf war 🙂
Ich habe mir kompetente Mitstreiter gesucht und natürlich werdet ihr informiert, sobald es zu einem richtig guten Durchbruch kommt. Aber mit der Fortsetzungsgeschichte ist für’s erste Schluss.

Die ersten Trugschlüsse und auch die neuesten Erkenntnisse erzähle ich euch aber schon 😉

Das Bild mit den vier Herren wandert demnächst mal zu einem, der sich mit Bäumen auskennt. Ob sich die afrikanischen Bäume als hessische Apfelbäume zu erkennen geben werden?  Tückischerweise habe ich das Bild spiegelverkehrt abgezogen, denn einen Säbel trägt man an der anderen Seite. Es ist inzwischen ein zweites, viel besseres Negativ aufgetaucht, das dann auch die Kokarde, die von einigen Lesern vermisst wurde, sichtbar zeigt – es handelt sich also tatsächlich um die Kopfbedeckung einer Uniform, die wir in Deutsch Südwest-Afrika ansiedeln können. Der Tipp, sich mal in den Ostasiatischen Gebieten umzuschauen, war gut gemeint, aber eine falsche Fährte, denn zur Zeit des in der E-Mail erwähnten Boxeraufstandes (1900 – 1901) gab es weder den Film noch die Kamera. Dass beide erst 1903 auf den Markt kamen ist gesichert.

Ziemlich gesichert ist auch, dass es sich bei zwei der Soldaten um Angehörige eines Dragonerregiments handelt, genauer gesagt, eines hessischen Dragonerregiments. Noch nicht gesichert ist, ob es sich dabei um das Garde-Dragoner-Regiment 23 oder das Leib-Dragoner-Regiment 24 handelt. Sicher ist, dass es Hessen sind, zu erkennen am hessischen Löwen mit Eichenlaub auf der Pickelhaube. Sicher ist auch, dass die Bilder vor 1915 entstanden sind, da das ab 1915 auf der Pickelhaube erscheinende Eiserne Kreuz noch nicht vorhanden ist.

Inzwischen habe ich auch herausgefunden, dass man diese vielen Negative nicht alle in einem Jahr ansiedeln darf. Zwar hat der unbekannte Fotograf, gemessen an den Kosten, mit denen man damals für Film und Entwicklung rechnen musste, sehr viel fotografiert, aber ich denke schon, dass ich ungefähr drei Jahre fotografischen Tuns in den Händen halte. Es finden sich Bilder von einem jungen Mädchen, das dann auf einem anderen Bild mit einem Mann an ihrer Seite in dem gleichen Garten posiert (Verlobung?). Ein weiteres Bild, auf dem sie die Kleidung einer verheirateten Frau trägt und dann wieder eines mit einem Säugling im Arm, der vielleicht ein halbes Jahr alt ist. Dazwischen ein Familien-Gruppenbild, augenscheinlich mit Selbstauslöser gemacht, ich weiß jetzt also auch, wie unser unbekannter Fotograf ausgesehen hat. 😉

Momentan bin ich dazu übergegangen, die Negative auf PE abzuziehen. Für eine erste Sichtung und für die Recherche (der Anspruch wächst mit jedem Bild, alles ganz genau herauszubekommen) ist es schneller und praktischer, die ganze Rutsche auf PE-Papier zu machen. Auch, wenn es die doppelt und dreifache Arbeit bedeutet, denn schließlich sollen die Bilder alle auch nochmal auf Baryt abgezogen werden, merke ich, dass ich mit dieser Vorgehensweise viel Zeit gewinne, die ich anderweitig einsetzen kann. Da ich viele Negative  mit unterschiedlichen Motiven habe, sind sehr viele lose Enden entstanden, die es zu verknüpfen gilt. Für mich sind all das Gründe, jetzt eine Pause in der „öffentlichen“ Ezählung zu machen. Was anfangs so aussah, als würde es eine blogbare Fortsetzungsgeschichte werden, entwickelt sich gerade zu einem Buchprojekt.

Ein letztes Bild habe ich jedoch noch für euch.

Volksfest_001webDass unser unbekannter Fotograf nicht nur seine Bergwanderungen und das Militär fotografiert hat, zeigt nebenstehende Fotografie. Ein Zirkus war in der Stadt. Es ist schon seltsam, überlegt man sich, in welch einer „höher, schneller, weiter“-Welt wir zurzeit leben und vor etwas mehr als 100 Jahren die Menschen noch mit dressierten Foxterriern zu begeistern waren. Die auf dem Bild werbende Zirkusfamilie gibt es übrigens immer noch!

 

Sollten wir tatsächlich den Namen und vielleicht auch ein Stück Lebensgeschichte des unbekannten Fotografen herausbekommen, so werdet ihr die ersten sein, die es erfahren. Versprochen!

 

3 Kommentare zu “Der unbekannte Fotograf (Teil 5)

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