Geld ist nicht alles

Vor einer kleinen Weile habe ich hier ein Bild nicht gezeigt und zum Verkauf angeboten.

Es hatte keinen Preis, nur eine Beschreibung und ich bat um eine E-Mail mit Preisvorschlag / Gebot und dem Hinweis, dass nicht das monetär beste Angebot den Zuschlag erhält, sondern die sympathischste E-Mail. Den Satz haben wohl so einige nicht verstanden, denn es dauerte nicht sehr lang, da rappelte es in meinem Postfach.

  • Mails ohne Anrede, nur mit einer simplen Zahl versehen (Einige davon durchaus recht eindrucksvoll).
  • Mails mit zwielichtigen Angeboten (persönliche Übergabe und ein bisschen noch was zusammen machen – die dazu gehörigen Zahlen trieben mir die Lachtränen in die Augen).
  • Mails von Menschen, die erst mal ausdiskutieren wollten, was wir denn machen, wenn ihnen das Bild nicht gefällt.
  • Mails, die unlautere Absichten unterstellen. (Es stand nirgendwo etwas von Vorkasse – nö).
  • Mails, die unterstellten, dass ich ja eh nicht fotografieren kann (Du hast Recht, Baby – das Bild ist tatsächlich nicht knackscharf).
  • Mails, die viele Buchstaben hatten, die sich aber immer nur zu „Katze im Sack“ und „Du bist doch bescheuert“ formten (Ich gestehe, ich habe etliche nicht bis zu Ende gelesen).
  • Mails mit „Wenn es keiner will, dann nehme ich es für’n Zehner“ (Ja. Klar.)
  • Mails mit angehängten Bildern und der Bitte um Wertschätzung (äh. Ne.)
  • Mails mit angehängten Bildern von primär männlichen Geschlechtsorganen (Und sowas von ungepflegt!)
  • und so weiter und so fort.

Dazwischen, wie kleine Schmuckstücke versteckt, wirklich nette Mails von Menschen, die das Bild haben wollten. Und auch durchaus freundliche Beträge dafür boten. Eine E-Mail stach besonders hervor, weil sie wirklich authentisch ausdrückte, warum der Mensch dahinter das Bild haben möchte, was es ihm bedeuten würde, und nicht zuletzt, warum das Gebot so ausfiel, wie es ausfiel und nicht höher sein kann.

Ich selbst schlafe auch nicht auf einer Erbse und deswegen habe ich mir Bedenkzeit ausgebeten. Aber was soll ich machen,  manche Bilder sind wie Babies, die gibt man eben nur in gute Hände ab.

Das Paket wird diese Woche verpackt und auf die Reise geschickt. Und ich wünsche dem Menschen, der es bekommt, dass er sich nicht satt sehen kann.

 

 

5 Kommentare zu “Geld ist nicht alles

  1. berni

    es ist immer wieder spannend, wie unterschiedlich menschen doch sind.
    ich bin sicher, dass sehr viele primitivlinge eine durchaus gehobene bildung haben.
    glückwunsch an den neuen besitzer des kunstwerkes.

  2. Barbara

    Hi Tilla,
    wenn ich so lese, was du so an Zuschriften bekommen hast, bin ich entsetzt! (Besonders über die Bilder mit den Geschlechtsorganen und dann noch ungepflegt *würg!)

    Umso schöner ist es, dass unter all dem trash auch noch schöne Mails dabei waren! 🙂 Glückwunsch an den neuen Besitzer und dass er sich an diesem Bild erfreuen kann. :))

    Lieben Gruß
    Barbara

  3. Stephan [Portrait Foto Kunst ]

    Ich finde es bemerkenswert was für eine E-Mail resonanz du auf deine Versteigerung bekommen hast. (das sowohl positive wie negative Mails bei so einer Aktion dabei sind ist sicherlich vorhersehbar gewesen).

    Für wie viel wurde das Bild denn nun ersteigert? Würde mich einfach mal interessieren?

    Ach ja, jetzt kann ich es ja schreiben, da die Versteigerung gelaufen ist. Deine Bildbeschreibung passt ziemlich genau auf ein Foto aus deinem Flickr Account. Ist das Bild aus der Serie oder ist es unveröffentlicht?

    lg
    Stephan

    1. tilla Autor des Beitrags

      Hallo Stephan,

      Du siehst mich verwundert, denn ich habe doch geschrieben „Dieses Bild gibt es in dieser Ausarbeitung nur ein einziges Mal.“ – Es ist ein Unikat. Unveröffentlicht. Ein absolutes Einzelstück. Und es hat einen Wert. Es hat auch einen Preis. Und den kenne ich und der Mensch, dem es jetzt gehört. Und ich finde, das ist auch gut so. 😉

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