Kioskgeschichten (1)

Ich vermisse C.

Eigentlich kommt sie täglich auf 1,2,3 oder mehr Biere vorbei. Je nach dem, was ihr Portemonnaie so hergibt. An Tagen den imaginären Reichtums werden es viele Biere, dann wird C. laut. Sie lacht laut, ruft lauthals Passanten hinterher und sie kann fluchen wie ein Bierkutscher. Vorzugsweise laut. Vielen Menschen, die vorbei gehen, ist das unangenehm. Denn C. brüllt zu oft Wahrheiten hinaus in die Welt. Das kann man sehen. In den Gesichtern der Passanten blitzt dann ganz kurz ein Ausdruck des sich ertappt fühlens auf, der dann schlagartig umschlägt in eine hässliche Grimasse der Überheblichkeit.

An manchen Tagen trinkt C. nur einen Kaffee. Wir sinnieren über das Leben, die Vergangenheit und die Zukunft. Wir reden über ihren Kater. Den hat man umgebracht. Damals, als sie noch eine Wohnung hatte. C. spricht mehrere Sprachen fließend. War Meisterschülerin. Sie ist Künstlerin. Ist viel gereist. Sie weiß unglaublich viel, ist herzenswarm und fröhlich. Intelligent, witzig und wortgewandt. Meistens.
Wenn da nicht das schwarze Loch wäre.
Wenn da nicht die Vergangenheit an ihr zerren würde.
Sie würde so gerne wieder malen.

Ich habe einen Skizzenblock und Ölkreiden gekauft. Und jetzt warte ich auf C.

 

 

 

 

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