Lift it!

Wir schrieben das Jahr 2009, Polaroid war pleite, Polaroidfilme waren nur noch schwierig und teuer zu bekommen und die Preise für die dazugehörigen Kameras waren tief im Keller. Dann plötzlich machte ein ganz wunderbares Gerücht die Runde, man munkelte, es solle wieder frische Filme für diese Sofortbildkameras geben – „Impossible Project“ nannten die Macher das neue Unternehmen. Und was zuerst tatsächlich sehr „impossible“ erschien, wurde tatsächlich Realität – im Mai 2010 wurde der erste, frische Sofortbildfilm aus der wiederbelebten Fabrik in Enschede vorgestellt. Seitdem ist eine Menge Zeit vergangen, die Filme wurden besser und besser und auch bunter und bunter.

Michael und ich waren von Anfang an von der Idee „Impossible Project“ fasziniert und wir bekamen damals auch gleich Testfilme aus der allerersten Charge. Über die Qualität sage ich an dieser Stelle einfach mal nix – nur so viel, es schieden sich die Geister. Ich war entzückt, andere riefen laut „Geldschneiderei“.

PX100_08webWie schon angemerkt, ich fand die Erscheinung ganz zauberhaft und habe auch das ein oder andere Bild einfach so geschossen. Auf die Dauer waren uns die Sofortbilder allerdings ein bisschen zu langweilig. Die alten Polaroidfilme konnte man manipulieren – und wir wollten es jetzt wissen. Im Sommer 2010 lagen also andauern irgendwelche Werkzeuge auf dem Küchentisch herum. Cutter und Teppichmesser, Modellierwerkzeuge, die man eigentlich zum Töpfern verwendet, Einwegspritzen und letztendlich auch Feuerzeuge und die Schulmalpinsel meiner Kinder. Wir probierten und versuchten, rätselten und spielten – dabei sind wirklich auch ein paar gruselige und unschöne Dinge herausgekommen. Irgendwann haben wir dann angefangen, mit heißem Wasser zu experimentieren und siehe da – da tat sich etwas, das ließ uns nicht mehr los. Lange Rede, kurzer Sinn – wir fanden heraus, dass sich die Filmemulsion aus den Sofortbildern lösen und auf Papier übertragen lässt. Der Rest war dann viel Telefoniererei und jede Menge Recherche. Wir fanden einen wirklich exzellenten Pinselmacher, der entsprechende Pinsel nach unseren Vorgaben machte (erwähnte ich schon, dass die Schulpinsel meiner Kinder zu nichts mehr zu gebrauchen waren?)  – und siehe da,  Lift it war geboren! Auch die Suche nach dem richtigen Papier war erfolgreich, wir fanden einen Hersteller von richtig gutem Büttenpapier, das sich trotz stundenlangen Kochens nicht in Wohlgefallen auflöste. Ausgestattet mit diesen Materialien war es dann gar nicht mehr so schwer, die Emulsion aus den Sofortbildern zu lösen und auf das Papier zu übertragen.

Hat001webZusammen mit Impossible Project, die begeistert von unserer Entwicklung waren, standen wir dann im September 2010 auf der Photokina  und Michael führte vor, wie man aus einem Sofortbild ein kleines Kunstwerk zaubern kann. Das Gedränge war groß. Dass sich bei dieser Gelegenheit auch lange Finger herumtrieben, die 5 wunderschöne Unikate einfach gestohlen haben, war ein unschöner Nebeneffekt. Mögen Ihnen die Extremitäten in der Zwischenzeit abgefallen sein. Ich habe genug Punkte auf meinem Karmakonto, da kann ich das einfach mal so sagen.

 

Die schönere Begleiterscheinung dieser Veranstaltung manifestierte sich in der Person von Tanja Deuß. Wir kennen sie schon gefühlt 1000 Jahre und netterweise hat sie Michaels Vorführung damals in bewegten Bildern festgehalten.

 

Nach der Photokina war die Nachfrage dann groß, Impossible nahm unser Pinselset und auch das Papier mit in ihr Angebot auf. Wir erweiterten das Pinselset noch um „Tune it“ , zwei Extrapinsel, mit denen man die Risse und Falten, die zu einem Emulsionslift gehören, noch feiner und genauer gestalten kann.

Jetzt schreiben wir schon das Jahr 2014, Emulsionslift ist immer noch ein spannendes Thema. Tanja wurde damals auf der Photokina ziemlich von uns angefixt und hat im Dezember des letzten Jahres ihre Emulsionslifts das erste Mal in breiter Öffentlichkeit ausgestellt. Und das mit großem Erfolg!

Zusammen mit Christian Hang, der sich auch schon sehr, sehr lange in der Welt der Sofortbilder herumtreibt, bietet sie jetzt endlich Workshops an, in denen unter anderem eben auch der Emulsionslift gezeigt und gelehrt wird.

Nice to ROID you! from Tanja Deuss Knusperfarben on Vimeo.

Diesen Workshop kann ich euch nur ganz fest ans Herz legen – die 60,00 Euro sind eine ganz wunderbare Investition. Die beiden wissen genau, wovon sie reden und beide können auch ganz wunderbar den Erklärbär machen.

Ich finde es klasse, wie sich die Idee, die damals in einer kleinen Stadt in Hessen an einem alten, abgeschrappten Küchentisch das Licht der Welt erblickte, gemausert hat. Und ich möchte viele, viele tolle Lifts sehen!

Informationen zum Workshop von Tanja und Christian gibt es hier—–>>>

Pinsel und Papier findet ihr in unserem Shop hier—->>>
Die Filme für die alten Polaroidkameras gibt es hier—->>>

2 Kommentare zu “Lift it!

  1. aebby

    Angesichts der Geschichte des Ganzen huscht ein Schmunzeln über mein Gesicht und ich erinnere mich gut an das eine Bild mit den alten Turnschuhen im Flur.

    1. tilla Autor des Beitrags

      Hihi, Aebby, die standen nicht im Flur, sondern auf dem Balkon. Und ich hab die Schuhe noch. und sie sind auf jeder Packung „Lift it“ mit drauf 🙂

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