Nachdenklich

Ja, so könnte auch der Titel des Bildes heißen. Oder „Die Zigarette danach“ – wobei das ja wieder viel zu offensichtlich wäre und auch den Letzten darauf bringen würde, wie dieses Bild entstanden sein könnte… allerdings könnte das ja auch jede Menge Klicks bringen… ja, das macht mich nachdenklich.

Stundenlang könnte ich mich jetzt auslassen über den Wandel in der Fotografie, über Sex sells, über Machen und Können, über Kunst und Wunst, Technikverliebtheit, Datenblattonanie, Hauptsache aus der Hüfte und mit hippem Gerät, höher, schneller, weiter, spektakulärer, abgefuckter…. es ist aber müßig. Hatten wir alles schon mal. Und das auch schon zu Zeiten, in denen ich noch nicht geboren war.

Ich merke immer mehr, dass ich müde werde. Keine Lust mehr habe, gebetsmühlenartig immer das selbe zu erzählen, mich immer wieder über das selbe aufzuregen, mich immer wieder für den gleichen Scheiß auf Frage- und Antwortspielchen einzulassen. Am meisten regt mich dabei auf, dass ich mich darüber aufrege. Und deswegen lasse ich das auch an dieser Stelle und besinne mich auf die Dinge, die mir Spaß machen.

Neben der Fotografiererei und der Schreiberei ist es die Beibringerei und die Fotozeigerei. Fotografie im Internet zu zeigen macht mir allerdings immer weniger Spaß. Die schnelle Beurteilung, likeklick und weiter ohne hinzuschauen. Das stille Konsumieren bar jeder Auseinandersetzung undoder Beschäftigung mit einem Bild. Langweilig. Allerdings verständlich, was soll man bei den Pixelbriefmarken auch anderes machen.
Die Beibringerei würde mich wahrscheinlich auch wieder aufregen. Alle wissen alles, denn es gibt ja Internet. Und Internet macht, das alle alles besser wissen. Tja.

Deswegen bleibe ich jetzt einfach bei der Fotografiererei. Und der Schreiberei. Weil ich es kann.

Und ihr so?

Vici

10 Kommentare zu “Nachdenklich

  1. Annik

    Fotografiererei

    Diese Veröffentlicherei im Netz ist oft „zu schnell“, es scheint mir so vieles sehr unfertig, nur weil suggeriert wird, es müsse dauernd passieren und immer sehr schnell gehen – allein wegen der permanenten Möglichkeit. Und dann landet ganz viel unreflektiertes im Netz, schriftlich wie bildlich. Und das lohnt dann auch gar keinen intensiven Blick und dann lohnt auch das Veröffentlichen von etwas Durchdachtem nicht mehr …

    Austauscherei … das mach ich gern!

    1. tilla Autor des Beitrags

      Austauscherei ist wunderbar, ja. 🙂

      Und veröffentlichen machen wir ganz grandios am 8.12. bei uns in der Galerie. Mit echten Bildern an einer echten Wand. HACH! 🙂

  2. berni

    gerade vorhin sprach ich mit silke darüber, warum es die meisten menschen im urlaub dorthin zieht, wo schon 100 000 andere sich drängeln.
    weil dort das leben tobt, weil sie vom job, von der werbung, vom unterschichtenfernsehen, vom freizeitstess völlig überreizt sind und es nicht schaffen eine gewisse ruhe zu finden. sobald es still wird, werden viele nervös.
    und so ist es auch mit dem bilder, oder andere kunst anschauen am rechner. schnell schnell, klick und weiter.
    ich schließe mich da nicht aus ; arbeite aber hart daran, meine innerer ruhe und muße wiederzufinden. ein paar stunden am wochenende ohne lärm, radio, fernsehen, *äckschn*..einfach mal schweigend verbringen hilft ungemein.

  3. boris

    Ach ich weiss nicht.
    Was spricht gegen offensichtlich Titel? Dabei muss man sich genauso wenig verkünsteln
    wie bei allem anderen. Soll denn ein mysteriöser Titel die Auseinandersetzung erzwingen?
    Ich weiss nicht ob es so kompliziert sein muss. Und wer es permanent höher, schneller, weiter, verrückter, etc. haben möchte – warum nicht? Wenn es gut tut?

    Neben all dem Ungemach, dass das allwissende Internet bringt, gibt es doch auch die nette Seite:wir alle können schnell und einfach Zu- und wieder Aussteigen. Und das immer und immer wieder, ganz nach Lust, Laune und Tagesform. Und da wir nicht jeder die Galerie für das „echte“ Bilderlebnis nebenan hat zeigen wir im Netz. Mit all seinen Grenzen. Auch das finde ich o.k, denn wie viele Galeriebesucher gibt es, die sich letztlich nicht für das Werk eines Künstlers interessieren, sondern für den gesellschaftlichen Aspekt? Sehen und gesehen werden? Möglichen Ausführungen eines Künstlers mit bedächtig gerunzelter Stirn (sofern ohne Botox) und verständigem Nicken folgen, im stillen Kämmerlein aber denken was für ein Murks, wann gibt es Schnittchen und Champus?

    Ich muss meine Lektion in Gelassenheit auch immer wieder auffrischen, aber das gehört dazu. Wir sind Menschen, wir haben Emotionen und gerade bei Themen, die uns am Herzen liegen. Und da habe ich es noch einfacher, weil ich beruflich rein gar nichts mit dem Fotokram zu tun habe.

    By the way: das Veröffentlichem von etwas Durchdachtem lohnt immer. Sei es, um sich selbst klarer zu werden oder zumindest einen anderen zu erreichen…

    1. tilla Autor des Beitrags

      Lieber Boris,
      aus Deiner Warte gesehen magst Du Recht haben.
      Aus meiner Warte gesehen ist es so, wie ich es schrieb. Gedanken ohne Anspruch auf Vollkommenheit.
      Und letztendlich meine Haltung.
      Diese weiche „Och, Hauptsache, alle haben ihren Spaß“ liegt mir nun einmal nicht.

  4. Sebastian

    „…dann lohnt auch das Veröffentlichen von etwas Durchdachtem nicht mehr …“

    Hell No! Und wie das lohnt! Alleine für sich selbst um etwas zum Abschluss zu bringen.
    „Für mich!“ ist ein integraler Bestandteil der emanzipatorischen Entwicklung in der eigenen Fotografie. Was der Rest so treibt, muss mir – bis auf die persönlichen Perlen – irgendwann egal sein ansonsten falle ich nur dem Wahnsinn anheim oder schlimmer noch, ich fange an, das Spiel (wieder) mitzuspielen.

    Ich glaube ja, dass der ungesunde Part vor allem die „Spürsinn-Tilla“ betrifft, weil Du dort als Funktionsträger (welch grausiges Wort) dem ganzen Bullshit ausgesetzt bist und den nicht filtern kannst, ohne, dass das Geschäft leidet. Lösungsvorschlag? Habe ich leider keinen. .

    1. tilla Autor des Beitrags

      @Sebastian
      Ja. Und nein.
      Also das Filtern.
      Geschäft ist Geschäft – aus der Nummer kann und will ich auch nicht raus. Ich hab Euch alle viel zu gerne! 🙂
      Glücklicherweise macht die Funktionsträgerschaft (urx) aber auch, dass ich relativ offen und ehrlich auf meinem Blog raus lassen kann, was mich drückt, begeistert, nervt…. denn ich mache mir dahingehend die Vorschriften hier. Im Geschäft habe ich andere Steine herumliegen, an denen ich mir immer mal den Zeh stoße. es ist schon das private Mimöschen, was an der fotografierenden Gemeinde leidet 😉

  5. Dieter Fröhling

    Stimmt das mußte mal raus. Wenn man nicht immer was zeigen mag, ist es doch auchmal gut. Dann zeigt man was was einem gefällt, und freut sich, wenns anderen auch.

    Oh Datenblatt. Das hat meine Fragen zu beantworten. Film, Iso und jetzt wie lange? Wenn nicht, dann taugt es nicht. (Wo jedoch in der Datenblattnische das Material „bestens kommt“ und die Realität eben nicht…) Weg damit.

    Manchmal hat man die Geduld nicht, jemand mit zuviel Geld sein Zeug erklären zu dürfen, welches man nicht leisten kannt und wo man doch sich auskennt. Wofür hab ich eine analoge Lernkurve hinter mir….und die digitale auch…. und weiß um manche Klippen. Muß die denn jeder in den Dings geblasen bekommen? Ach, umsonst hat es auch zu sein….
    Und dann freut man sich still wenns dort doch in die Hose gegangen ist…

    Und doch ist man meist altruistisch unterwegs.

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