Sonntagsgedanken im April

Das Internet am Sonntag. Man liest sich kreuz und liest sich quer und kommt dabei auf folgende Punkte, auf denen man dann einen Eiertanz proben kann oder auch nicht:

  • Ein lauter Fotograf ist nicht immer ein guter Fotograf.

Mag sein – aber er versteht etwas von Selbstvermarktung. Um gesehen zu werden, gefunden zu werden von denen, die einem eventuell Geld für eine Leistung zahlen, muss man Interesse wecken. Je lauter ein Fotograf also von sich reden macht, desto mehr wird über ihn geredet. Ob er ein guter oder schlechter Fotograf ist, das entscheiden letztendlich die Auftraggeber.  Eine wunderbare Überleitung zu:

  • Ob ein Bild gut ist oder nicht, das liegt im Auge des Betrachters.

Nun ja – ich habe schon vieles gesehen, dass ich nicht haben will, schon gar nicht in meinem Auge. Es gibt schon Richtlinien, nach denen ein Bild beurteilt werden kann. Das kann man aber wohl erst akzeptieren, wenn man erkannt hat, dass ein gutes Bild nicht immer ein Bild sein muss, dass einem gefällt. So wie im Umkehrschluss ein Bild, das einem gefällt, nicht zwingend ein gutes Bild sein muss. Ich persönlich denke mal, die „Mona Lisa“ muss ein gutes Bild sein – schließlich hängt es in einem Museum. Gefallen tut es mir dennoch nicht. Bildbetrachtung geht man aus zwei Perspektiven an – der emotionalen und der handwerklichen. By the way – Fotograf ist immer noch ein Handwerksberuf. Und berühmte Fotografen liefern auch mal Kackbilder ab. Mein Heizungsbauer, der ja auch Handwerker ist, hat nämlich auch mal schlechte Tage. Hört also auf, Namen zu bejubeln, schaut euch lieber Bilder an. Und lasst Euch nicht jeden Scheiß schön reden, nur weil der Hersteller dessen schön laut ist. Das gilt übrigens auch für Bilder, die analog entstanden sind – Film allein macht nämlich noch kein gutes Bild. Trash ist eine Modeerscheinung, aber auch dort gilt, es gibt Glückstreffertrash, echten Müll und gekonnten. Mal drüber nachgedacht? Zu behaupten, dass analoge Fotografie ausschließlich eine hippe Modeerscheinung ist, halte ich persönlich jedoch für sehr verwegen. Aber auch her gilt, man muss schauen, von wem diese Aussagen kommen. Und sich ein Bild machen.

  • Nackt ist immer gut. Brüste ziehen.

Ja. Nein. Manchmal. Vielleicht. Siehe oben.

  • Fotografen müssen eine kreative Ader haben.

Müssen sie nicht. Es kann ihnen zum Vorteil gereichen, wenn sie eine solche haben, aber müssen müssen sie gar nicht. Remember: Fotografie ist ein Handwerksberuf. Passbilder dürfen nicht kreativ sein, sondern haben genau festgelegte Vorgaben und für alles andere gibt es genug Vorlagen. Sogar damals schon, als es noch kein Internet gab.

  • Zehntausend Fliegen können sich nicht irren.

Fliegen haben aber nun mal einen kleineren Kopf als Menschen. Da passt weniger Hirn rein. Wobei ich da bei so manch einem Jubelperser und AnsBeinPisser tatsächlich so meine Zweifel hege.

  • Profis haben die bessere Ausrüstung, kommen besser an Modelle und bekommen Geld für etwas, was ihnen Spaß macht. Außerdem machen sie grundsätzlich gute Bilder. Weil sie die bessere Ausrüstung, die besseren Modelle……

Öööööhm. Ja. Nein. Eher nicht. Quatsch.
Profis heißen Profis, weil sie von dem, was sie da tun, leben müssen. Weil sie damit Geld verdienen müssen, um sich das Brot und im besten Fall die Butter und den Käse für oben drauf leisten zu können. Sie brauchen dauernd neue Ausrüstungsteile, weil sie einen hohen Verschleiß haben und weil die Kundschaft das in den meisten Fällen auch verlangt. Mit ner ollen Kamera aus der vorletzten Serie werden Profis von ihren Auftraggebern nicht mehr ernst genommen, da können sie fotografieren wie der olle Newton, das hilft ihnen gar nüscht. Natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel, aber in diesem Fall trifft dann die Annahme, dass die Profis machen können, was ihnen Spaß macht auch schon eher zu. Im Normalfall ist es ein Job wie der eines Konditors. Wenn der Kunde eine Sahnetorte mit Marzipandeckel und Zuckerröschen wünscht, kannst Du keinen Schokoladenkuchen abliefern, auch wenn Du diesen vielleicht lieber magst. Spaß? Dem Konditor glaubt man ja noch eher, wenn er sagt, dass die Torte eine Nacht im Kühlhaus stehen muss, damit sie schön fest wird. Der Fotograf kann bitte die Nacht durch arbeiten, ist ja kein Ding, er soll sich nicht so anstellen, er hat ja Photoshop. Spaß? Ah, beinahe hätte ich die willigen Weiber die tollen Modelle vergessen. Ja. Die sind natürlich ein Argument. Mal nicht mit zickigen Mausis arbeiten, die nach durchzechter Nacht entweder gar nicht oder zwei Stunden nach Starttermin auf der Matte stehen. Ein Traum. Ein Traum, den sich jeder erfüllen kann, der in der Lage ist, sein Konzept zu umreißen und bei einer Agentur ein entsprechendes Modell zu buchen. Klar kostet das Geld, was habt ihr denn gedacht?

  • Fotografen, die andere Fotografen kritisieren, sind doch nur neidisch.

Aber klar doch. Immer und in jedem Fall. Oh, wait…. manchmal sind sie tatsächlich nur kollegial und hilfsbereit. Und manchmal einfach nur sauer. Weil sie sich verarscht fühlen. Weil ihnen einfach mal so aus der hohlen Luft gegriffen Dinge unterstellt werden, die in keiner Weise vom Betroffenen nachvollziehbar sind. Und manchmal sind sie nur neidisch. Auf die Lautstärke des anderen, sein Können, seine Ideen, seine Jubelperser oder auch einfach nur auf die Frechheit, scheiße als Gold zu verkaufen. War schon immer so. Wird sich auch nicht ändern. Schlimm finde ich, wenn vorne weg genickt und hinten rum drüber hergezogen wird. Wer Angst hat, laut zu sagen, dass er ein Bild scheiße findet, der muss es auch nicht leise tun. Der kann einfach auch mal die Klappe halten.

  • Hühner gackern, wenn sie ein Ei legen. Fotografen posten kreuz und quer, wenn sie ein Bild von einem Stuhl für ein paar Cent auf einer beliebigen Stockfotoplattform verkaufen.

Ja, machen sie. Klappern gehört zum Handwerk.

  • Hühner gackern, wenn sie ein Ei legen. Fotografen flattern und plustern sich auf, krähen, schimpfen und jaulen, wenn ein Bild von ihnen ungefragt irgendwo veröffentlicht wird.

Ja, machen sie. Klappern gehört…. wobei ich persönlich ja immer wieder ein Loch zum drin versinken suchen würde, hätte ich Potential als Fremdschämerin. Ein Profi reibt sich in einem solchen Fall von Bilderklau nämlich leise lächelnd die Hände und schreibt dann verzückt eine kleine Rechnung. Und er wird den Teufel tun, dieses laut herauszuposaunen, denn dann sind Nachahmer ja gewarnt. Remember: Profis sind die, die von ihrer Fotografie leben. das sagt nichts über ihr Können aus.

  • Schwarzweiß ist immer besser.

Blödsinn. Schwarzweiß erregt psychologisch mehr Aufmerksamkeit, denn im normalen Leben sehen wir alles bunt. Grundsätzlich ist zu beachten: Ein Kackbild in bunt wird nicht besser, wenn man es schwarzweiß macht.

In diesem Sinne – einen wundervollen Restsonntag Euch allen.

 

 

5 Kommentare zu “Sonntagsgedanken im April

  1. RoPu

    Das ist ja „Das (fotografische) Wort zum Sonntag“. Ich weiss warum sich die Leute aufregen … ohne Aufregung könnten sie viel dicker sein, aber wer mag das schon. 🙂

    Liebe Tilla, danke für die Worte. Ich wünsche Dir einen schönen Restsonntag! 🙂

  2. Dieter Fröhling

    Wohl wahr. Gibt immer wieder mal die wunderbare Ansicht eines der davon lebt daß er Mist zeigt. Muß man ja nicht begackeiern. Still freuen tut es auch.

    Das mit dem (c) dick im Bild – ich kenn einen der verkauft so seine Fußballbilder tagesaktuell – ist Blödsinn für die meisten im Web. Brauch ich sowas? Wirklich? Ehrlich?

    Gruß Dieter

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